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 Innenhof des Guts

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Vasilyssa Krenz

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Anzahl der Beiträge : 208
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Alter : 20

BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Di Mai 01, 2018 11:45 am

Je länger die Zofen an mir herumzupften und werkelten, desto größer wurde mein Drang, sie einfach mit nicht sonderlich freundlichen Worten davonzujagen. Das hier war sicherlich nicht ich. Ich war nicht so geschniegelt und aufpoliert. Das Korsett schnürte mir schon nach wenigen Minuten die Luft ab, die Haarnadeln stachen mir in den Kopf und waren in der Masse so schwer, dass ich das Gefühl hatte, eine Katze würde mir mit den Krallen am Hinterkopf hängen anstelle meiner Haare. Aber am Schlimmsten waren die Schuhe, deren Absätze sich mir durch die Sohle in die Fersen zu bohren schienen, je länger ich sie trug. Warum konnte ich nicht einfach barfuß gehen? Schließlich sollte doch ich heiraten, nicht diese Puppe.
Nichts davon sprach ich jedoch aus, als wir uns auf den Weg zur Septe machten. Der Ärger über all das, was man ohne mein Einverständnis mit mir angestellt hatte, verhinderte, dass ich jetzt nervös wurde, was sich allerdings schlagartig änderte, als mein Blick den seinen traf. Mein Herz begann zu rasen und mein Atem stockte, was dieses Mal nicht dem Korsett zuzuschreiben war, und jeder Schritt, den ich auf ihn zumachte, schien durch die Absätze höllisch laut von den Wänden widerzuhallen. Als ich dann bei ihm stand, schien es mir so still, dass ich mir sicher war, er müsste mein Herz schlagen hören, das sich in meiner Brust aufführte als wollte es mich mit seinen heftigen schlägen näher zu ihm treiben, was an sich völlig unsinnig war, schließlich hielt er mein Herz schon in seinen Händen.
Ich wollte irgendwas sagen, doch statt Wörtern formten meine Lippen nur ein zittriges, fast schüchternes Lächeln, meine Augen funkelten voller Zärtlichkeit zu ihm auf. Hätte ich noch irgendwelche Zweifel daran gehabt, dass er derjenige war, den ich heiraten wollte, so waren sie spätestens jetzt vertrieben. Die Tage der Trennung hatten mir deutlich gezeigt, wie sehr ich schon an ihm hing, wie sehr mein Herz seine Gegenwart genoss, wie also sollte ich jetzt noch 'Nein' sagen? Es war einfach schlichtweg unmöglich, und das sah man mir vermutlich auch an.

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Tomas Drees

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Anzahl der Beiträge : 156
Anmeldedatum : 14.03.17

BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Sa Jun 09, 2018 6:38 pm

Für Tomas war Vasilyssa keinesfalls eine Puppe, ganz gleich wie sehr man sie heraus geputzt hatte. Er betrachtete sie liebevoll und es erfüllte ihn mit großer Wärme und purem Glück, als er in ihrem Blick ihr Urteil ablesen konnte. Aufgeregt schlug sein Herz höher und Tomas musste sich tunlichst beherrschen um jetzt stehen zu bleiben und nicht einfach umzukippen. Es fiel ihm sehr schwer der Anweisung des Septons zu folgen und zusammen mit ihr direkt vor den Altar zu rücken, die Worte klangen einfach so weit entfernt und unwichtig. Gewiss war es unwichtig was ein alter Mann sagte, während er Vasilyssa so in die Augen sehen konnte, aber er folgte trotzdem.
Auch der Rest der Zeremonie ging wie ein Tagtraum an ihm vorbei. Er tat ganz genau was von ihm verlangt wurde, jede Tradition und jede Weihung wurde befolgt und trotzdem weigerte er sich von seiner Verlobten abzulassen, auch nur den Blick abzuwenden war undenkbar. Einzig die steigende Aufregung war ihm dabei wirklich anzumerken und sein Herz hämmerte unablässig, als er dann seinen Schwur für sie sprach. Es kam ihm vor als wäre seine Stimme eingetrocknet und rau, als wäre da gar keine Zunge in seinem Rachen um die Worte zu formen und dennoch schaffte er es irgendwie klar und verständlich auszudrücken das er sie zur Frau nehmen würde, sie achten, beschützen und lieben würde. Tomas hatte sogar ein weiteres Gedicht für diesen Moment geschrieben, doch verpasste er es die Zeilen nun vorzutragen, weil er in seiner Aufregung gar nicht mehr daran dachte.
Stattdessen war er heilfroh das der Septon sich wirklich gut um sie kümmerte und ihnen stets dezent Hilfestellung gab oder sie direkt so geschickt mit seinem Vortrag leitete, dass überhaupt erst keine Zweifel aufkamen. Tomas lächelte sie fast die ganze Zeit an, nur ganz kurz huschte sein Blick ins Publikum, kurz bevor die Zeremonie ihren Höhepunkt erreichen sollte. Als es dann endlich soweit war und sie als Ehepartner für alle Ewigkeit verbunden wurden zitterten seine Hände leicht und er wurde rot, als er sie ansah. Langsam, dann etwas panisch und schließlich voller Freude beugte er sich in ihren ersten Kuss, bei dem sie Mann und Frau waren.

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