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 Innenhof des Guts

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Tomas Drees

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BeitragThema: Innenhof des Guts   Mi März 15, 2017 9:44 pm

Der Innenhof vor dem großen Hauptgebäude.
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Tomas Drees

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Mi März 15, 2017 10:24 pm

Nervös scharrte Tomas Drees über den gepflasterten Boden, wofür er einen kurzen, missfallenden Blick seines Vaters erntete. Er trug gute, teure Schuhe was ihm ein absoluter Graus war. Auch die Kleidung, die man ihm zumutete zwickte ihn an jeder Ecke. Doch er sollte etwas hermachen für seine Verlobte, deren Ankunft hier mehr oder minder gespannt erwartete. Das er schlecht aussah konnte man Tomas heute jedenfalls nicht vorwerfen. Angefangen von den feschen Schuhen bis hin zum schneidigen Hut mit der Fasanenfeder war er durch und durch herausgeputzt worden, einem stattlichen und herrschaftlichen Auftreten stand eigentlich nur sein eigener Unmut im Wege.
"Wir stehen uns hier nur Löcher in den Bauch.", moserte er, was für ihn untypisch war. "Blödsinn, Junge. Erst gestern ist der Rabe eingetroffen, sie wird gewiss heute ankommen und das präzise wie geplant.", rügte ihn sein Vater sofort und schob noch aufmunternde Worte hinterher: "Kopf hoch, du wirst einen guten Ehemann abgeben. Jetzt freu dich doch endlich, du hast sogar das Glück sie zu kennen."
Trotz dieser Worte freute sich Tomas nicht. Er nickte nur stumm und wollte sich - wie so oft wenn er nervös war - die Haare beiseite streichen, aber er musste feststellen, dass selbst seine Frisur heute so akkurat war wie nie zuvor. Alles nur für seine Verlobte. Alles nur für Vasilyssa Krenz, ein Mädchen die ihm sein Leben zur Hölle machte aus Gründen die ihm bis heute entgangen waren. Sein Vater wusste von all dem nichts, hatte er sich doch nie darüber beklagen können. Wie viel Geld war es, das sich Lord Drees hier erhoffte? Wie obszön groß war die Mitgift? Tomas fühlte große Verantwortung für sein Haus auf sich lassen, es war das Einzige was ihn an Ort und Stelle hielt, als die Geräusche von Pferden laut wurden und wenig später eine Kutsche in Sicht kam. Sein Herz sank ihm bis in die teuren Schuhe, als er sich näherte um seine Verlobte zu empfangen.

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Vasilyssa Krenz

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Mi März 15, 2017 11:11 pm

Ich konnte nicht glauben, dass er das wirklich getan hatte. Er hatte mich mit dem Mann verlobt, den ich noch weniger mochte als ihn. Ausgerechnet Tomas Drees! Hätte er mich nicht an jemand anderen verkaufen können? Denn genau das war es gewesen: ein Verkauf. Für eine beinah schon pervers hohe Mitgift bekam Tomas eine Frau, das Haus Drees sein Gold und mein Vater erfüllte sich seinen sehnlichsten Wunsch: Mich loswerden.
So saß ich jetzt in dieser unglaublich beengenden Kutsche und holperte ziemlich schlecht gelaunt über die Straße in Richtung Jägershof. Jeder Knochen schmerzte und obwohl ich doch erleichtert war, von meinem Vater wegzukommen, hieß das hier auch dass ich Tomas heiraten und meine Geschwister allein lassen würde. Warum waren die Götter nur so unfair?
Aber alles Jammern und Wüten half nichts. Am späten Nachmittag kam die Kutsche ruckelnd zum stillstand und ich wusste, wir waren da. Mit einem tiefen Atemzug strich ich mir das creme- und goldfarbene Kleid glatt, strich mir eine Haarsträhne, die sich aus der eleganten Hochsteckfrisur gelöst hatte, zur Seite und stieg aus der Kutsche. Kurz kniff ich wegen des grellen Lichts die Augen zusammen, dann blickte ich mich um. Das erste was ich sah war Tomas. Und selbst ich musste zugeben, dass er nicht schlecht aussah. Er war erwachsen geworden. Aber damit war er nicht der einzige. Auch ich war den Kinderschuhen entwachsen. Meine früher so pummlige Figur hatte dem schlanken Körper einer jungen Frau Platz gemacht, das Kleid betonte die schmale Taille und verbarg meine weiblichen Kurven, sodass sie zwar erkennbar, aber nicht so offen zugänglich waren. Das vormals ständig fettige, strähnige Haar in einem schrecklichen Straßenköterblond war einer fließenden Mähne seidigen goldenen Haares gewichen, von der nun einige Strähnen über meine schmalen Schultern strichen, die nicht von dem Kleid bedeckt waren. Ich senkte den Kopf und knickste in vollendeter Grazie "Lord Drees, es ist mir eine Ehre von euch empfangen zu werden..." wandte ich mich zuerst an den Ranghöchsten, mein Lächeln war warm und vor allem echt. Als ich mich jedoch meinem Verlobten zuwandte, wurden meine Augen kühl "Ser Tomas, seid gegrüßt... Meine Glückwünsche zum Ritterschlag..." Meine Stimme ließ mit keiner Nuance vermuten, was in mir vorging, aber in diesem Moment hasste ich mich selbst fast mehr als ihn. Dafür dass ich das hier tat, sie alle so belog. Mein Bauch zog sich ob der hässlichen Lüge zusammen, mein Magen bildete einen harten Kloß, die Wut brodelte in mir, doch nichts davon ließ ich nach außen dringen. Nach außen war ich eine sittsame Lady, auch wenn ich nicht wusste, wie lange noch.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Mi März 15, 2017 11:29 pm

Der schlimmste Moment war tatsächlich das Öffnen der Kutsche. Es hatte etwas Endgültiges, von nun an gab es kein Zurück. Den Moment, den seine Verlobte brauchte um sich an das Sonnenlicht zu gewöhnen, nutzte er um sein Lächeln wieder aufzuzwingen, es war ihm kurze Zeit abhanden gekommen. Ein weiteres Mal wollte er diesen Fehler nicht machen, er konnte von Glück sagen unbemerkt geblieben zu sein. Das er auch bei seiner Zukünftigen von Glück sagen konnte wäre wohl eine nahe liegende Behauptung, zumindest wenn man sie nur äußerlich betrachtete. Tomas erkannte das Mädchen von damals kaum wieder, sie hatte sich wirklich verändert, war eine wunderschöne Frau geworden.
Freude kam dadurch längst nicht auf. Er reichte ihr kurz die Hand um ihr aus der Kutsche zu helfen, so wie es Sitte war. Auch sonst hielt er sich streng an das höfische Protokoll, es gab ihm etwas um sich festzuhalten, wo er doch so nervös war. Ihre Worte jedenfalls verhießen, dass sie sich zumindest bemühen würde es ebenfalls so zu tun, denn das sie ehrlich sprach konnte er sich nicht vorstellen. "Lady Vasilyssa, ich danke euch für eure freundlichen Worte und Glückwünsche.", erwiderte er ihr also, leider längst nicht so schwungvoll wie sein Vater es wohl könnte. Der Lord hatte sie mit ehrlicher Freundlichkeit und warmer Gastfreundschaft empfange, dagegen klang er ziemlich hölzern.
"Es ist uns eine Ehre euch hier am Jägershof begrüßen zu dürfen.", fuhr er fort und verbeugte sich dazu durchaus elegant.
Sogleich genügte ihm eine kurze Geste das ein Diener zum Kutscher heran trat, sodass sie sich direkt um die Pferde kümmerten. Tomas beneidete diese Männer in diesem Moment ein wenig, doch sein Blick zuckte nur kurz zu ihnen hin. Er selbst widmete sich natürlich allein seiner Verlobten. Sein Lächeln verriet wenig, doch sie wussten wohl gerade Beide, was der jeweils Andere dachte. Mangelnde Mühe konnte man ihm jedenfalls nicht vorwerfen. "Gewiss hat euch die lange Reise ermattet. Erlaubt mir euch für eine Erfrischung zum kleinen Pavillon am Ostend zu geleiten.", sprach er und bot ihr auch sogleich seinen Arm zum Geleit. Er seufzte innerlich, während sein Vater gerade wohl innerlich jauchzte. Die Begrüßung hatte er jedenfalls hinter sich gebracht, doch nun stand sinnloses Geplauder bei Gebäck und Getränken an, dabei drehte sich ihm doch gerade der Magen um. Doch auch dies versuchte er tapfer zu ignorieren, erst Recht nicht zu zeigen.
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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 6:46 am

Ich merkte bereits bei seinen ersten Worten, dass diese Verlobung auf keinen Fall seine Idee gewesen war, er verabscheute das hier genauso wie ich. Ich knickste formvollendet, als seine Lippen meine Hand berührten, und stellte verwundert fest, dass der dalas doch etwas tollpatschige Junge jetzt wusste, was er tat. Es wäre mir eine Ehre, Ser erwiderte ich höflich und legte die Hand auf seinen Arm. Auf dem dunklen Stoff sah sie so klein und verloren aus wie ich mich fühlte. Schweigend ging ich neben ihm her, unfähig etwas zu sagen und eigentlich nur damit beschäftigt, den Knoten in meinem Bauch unter Kontrolle zu halten. Das letzte was ich jetzt gebrauchen konnte war, dass ich der Familie meines Verlobten vor die Füße spuckte. Daher war ich auch nicht sonderlich erpicht auf das süße Gebäck und die Getränke, doch abzulehnen wäre ein Frevel gewesen. So setzte mich auf einen Der Srühle im Pavillon und musterte kurz den Tisch. Süße Küchlein, Plunderstücke und ein Kuchen standen dort mit hwei Karaffen, eine mit Wein, die andere augenscheinlich mit Limonade. Ich konnte nicht leugnen, dass es schön war hier. Die Sonne glitzerte durch die vom Wind bewegten Blätter, die Vögel sangen fröhlich ihr Lied. Dennoch konnte ich mich hier einfach nicht wohlfühlen, wenn der Blick des Hausherren dermaßen erwartungsvoll an mir klebte.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 10:43 am

Ihre Hand an seinem Arm hinterließ trotz der dünnen Kleidung ein Kribbeln. Es war schwer einzuordnen, sodass es Tomas nicht behagte. Er sah in diesem Moment lieber zum bereits gedeckten Tischchen, denn er hatte das Gefühl sie jetzt anzulächeln wäre zu viel der Lüge. "Mylady...", erwiderte er also leise, dann schritten sie gemeinsam zum Pavillon. Tomas liebte den Ausblick der über einen Obstgarten bis hin zum nahen Wald reichte sehr, doch heute hatte er seine Augen gefälligst auf seine Verlobte zu richten, was er schweigend erledigte, sodass eine unangenehme Pause entstand.
Es war schließlich Tomas Vater, der die Stille unterbrach, nachdem er sich vom Wein eingeschenkt hatte. "Lady Vasilyssa, ich kann gar nicht genug betonen wie sehr ihr unseren bescheidenen Hof bereichert.", sprach der alte Lord mit fester Stimme und Tomas zweifelte nicht daran das es ehrlich gemeint war. Vielleicht etwas dick aufgetragen, aber ehrlich. Ein kurzer Seitenblick verriet, dass sein Vater wohl gerade auf Wolken schwebte. Nicht unbedingt wegen der Braut an sich, er musste wohl bereits die Münzen im Säckel spüren. Tomas gelang es ein schmales Lächeln in Richtung seiner Zukünftigen zu senden. Wenn er sie auch nicht mochte, so wusste er doch, dass sie hier irgendwie im selben Boot saßen. Ein bittersüßer Trost.
"Eure Anwesenheit wird für Leben auf dem Hof sorgen. Und die Verbindung soll unsere Häuser in tiefer Freundschaft einen.", gab auch er sich Mühe, der Sache etwas positives abzugewinnen. Innerlich rollte sie wohl gewiss mit den Augen, Tomas konnte es ihr nicht verübeln. Um die nächste Pause zu vermeiden sorgte er gleich vor, reichte ihr ein Gebäckteil auf den Teller. Immerhin wusste er noch genau was sie mochte, ein einziges Mal war es nützlich, dass sie sich als Kinder gekannt hatten. Er selbst nahm vorerst mit etwas Limonade vorlieb.
Eine weitere Frauenstimme, erregte dann Aufmerksamkeit. Tomas Mutter mitsamt seiner Schwester traten nun heran. Ein ungewollter Kaffeeklatsch mit der gesamten Familie stand also bevor. Besonders seine Schwester hatte sich hergeschmückt, als wollte sie mit der Schönheit von Vasilyssa konkurrieren, wobei die Fünfzehnjährige nicht den Hauch einer Chance hatte. Seine Mutter hingegen wirkte einfach sehr glücklich Lady Krenz begrüßen zu können, er erinnerte sich gut an das einzige Treffen zwischen den Beiden, als er noch neu auf Quellspring gewesen war. Damals war Vasilyssa noch nicht gänzlich unausstehlich gewesen, sodass er sie fälschlicherweise als Freundin aufgezählt hatte. Seine Mutter war sehr gut zu Vasilyssa gewesen, hatte sie sofort gemocht. Auch nun wollte sie die Blondine herzlich empfangen.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 10:54 am

Ich wusste nicht wirklich, was ich von der ganzen Situation halten sollte. Natürlich war es sowohl für mich als auch für Tomas unmöglich, unsere wahren Gefühle zu zeigen, doch selbst wenn ich offen sprechen könnte: Es wäre nie die ganze Wahrheit. "Ich danke euch, Mylord. Euer Sohn kann sich glücklich schätzen, einen Vater wie euch zu haben, und an einem so wunderschönen Ort wie dem Jägershof zu leben..." Für einen Moment lockerte sich der Knoten in meinem Bauch, denn meine Worte entsprachen der Wahrheit. Ich hatte Tomas schon immer um seinen Vater beneidet, der ihn genau so angenommen und geliebt hatte wie er war. Er hatte vermutlich nie um seine Aufmerksamkeit oder Liebe kämpfen müssen. Kurz wurde mir das Herz schwer, doch hinter dem weichen Lächeln in meinem Gesicht war das nicht zu erkennen. Ich dankte Tomas leise, als dieser mir eins der kleinen Gebäckstücke reichte. Seit meiner Kindheit hatte sich nichts geändert, ich liebte diese kleinen Apfeltäschchen einfach über alles. "Ich hoffe diese Verbindung kann den Frieden sichern und verstärken..." erwiderte ich leise und lächelte kurz. Als seine Familie zu uns kam, wurde mir warm ums Herz. Ich kannte Lady Drees, und in der Zeit nach dem Tod meiner Mutter hatte sie mir auf schriftlichem Wege oft jene Zeilen zukommen lassen, die mir geholfen hatten, diese Zeit zu überstehen. Ich erhob mich und begrüßte sie, ebenso Tomas kleine Schwester, auch wenn ich diese noch nie persönlich getroffen hatte. Ich spürte die Versuchung, mich in ein Gespräch mit den beiden zu vertiefen, doch es wäre zu unhöflich gewesen, meinen Gastgeber sowie meinen Verlobten so zu ignorieren, und ich wollte es nicht riskieren, schließlich wusste ich, was mich dann von meinem eigenen Vater erwartet hätte.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 11:12 am

Tomas Lächeln wurde für einen kurzen Moment wärmer. Er empfand ebenfalls großes Glück, wenn er an seine Eltern und Jägershof dachte. Obwohl seinem Vater nur noch ein Bein blieb war er doch ein Mann, an dem sich Viele ein Beispiel nehmen konnten. Wieder fiel ein Seitenblick herüber, ihre Worte hatten Lord Drees offenbar überaus gut gefallen. "Ebenso kann er sich glücklich schätzen über seine Verlobung mit einer so höflichen jungen Dame.", erwiderte er, was Tomas Lächeln wieder kälter werden ließ. Seinen Vater sah er jetzt lieber nicht an, stattdessen traf er - beinahe hilfesuchend - Vasilyssas Blick, auch wenn er nicht wusste was er sich davon erhoffen sollte.
Die Ankunft seiner Mutter war gewissermaßen die Rettung und gab ihm die Chance etwas überhastet seine Limonade herunter zu stürzen. Sie war kalt und es war somit eine schlechte Entscheidung, aber es ließ sich ja nicht ändern. Etwas gequält blinzelte er, gerade als seine Gesichtszüge sich wieder beruhigten kehrte seine Verlobte zurück. Zu gerne hätte er sie etwas länger im Gespräch mit den anderen Damen gewusst, aber er war wohl gewissermaßen die Hauptattraktion für sie, auch wenn sie es Beide nicht wollten.
"Lady Vasilyssa sprach gerade vom Frieden und der Verbindung zwischen unseren Häusern.", meinte der Lord zu seiner Ehefrau und diese lächelte nur noch glücklicher. Seine Mutter hatte wirklich keine Ahnung was in ihm vor sich ging, dachte Tomas. Aber wie auch, er hatte ihr nie etwas erzählt. Sie hielt die Beiden quasi für beste Freunde, wohl in diesem Gedanken tat sie ungewöhnliches. Schon nach kurzem Plausch wurde die Familie aufgefordert vom Tisch aufzustehen und ehe er es sich versah war Tomas allein mit seiner Verlobten. Etwas verlegen, sah er kurz zu Boden und ein leises Seufzen entfuhr ihm. Doch so wollte er nicht zu ihr sein, ganz bestimmt nicht. Er sah sie also an. "Lady Vasilyssa, ich... ", wollte er etwas sagen, doch er ließ es lieber bleiben. Seine Unsicherheiten kehrten zurück, nervös strich seine Zunge hinter den Zahnreihen entlang.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 11:21 am

Ich senkte den Kopf, meine Wangen röteten sich leicht Ich hoffe, diese Verlobung und die daraus hervorgehende Verbindung wird für euren Sohn kein zu großes Laster sein... Arrangierte Ehen bedeuten viel Belastung für alle beteiligten Parteien, bis man sich aneinander gewöhnt hat... Da ich nicht unbedingt wusste, was ich sagen sollte, und auch nicht nur stumm und wie ein verschrecktes Kaninchen auf meinem Stuhl sitzen wollte, nippte ich etwas an der Limonade. Für meinen Geschmack war sie etwas zu süß, aber sie war herrlich kalt und erleichterte es mir, meine Konzentration zu behalten.
Als man uns allein ließ, blickte ich seiner Familie kurz nach. Sobald ich mir sicher sein konnte, dass sie außer Hörweite waren, wandte ich mich wieder an Tomas "Hör auf" war alles, was ich sagte "Hör auf mit dieser Maskerade, wenn niemand hier ist, der es dir glauben könnte. Du weißt so gut wie ich, dass das hier keine Zukunft hat, nicht bei unserer Vergangenheit. Warum also sollten wir uns überhaupt die Mühe machen und versuchen uns von etwas anderem zu überzeugen? Ich weiß, dass du mich nicht ausstehen kannst, und du weißt, dass ich dich nicht sonderlich mag... Alle hier so belügen zu müssen bereitet mir Übelkeit..." Meine Stimme war kalt, doch eine gewisse Hoffnungslosigkeit schwang darin mit. Als kleines Mädchen hatte ich immer davon geträumt, einmal aus Liebe zu heiraten, eine Ehe zu führen wie meine Eltern, in der man sich blind verstand und jeder dem anderen vorbehaltlos vertrauen konnte, ohne Hintergedanken. Eine Beziehung, die von Liebe erfüllt war, in der man sich ständig neu in den Partner verlieben konnte. Allerdings würde ich das nie haben, so wie es aussah. Andere bekamen ihren Märchenprinzen, ich bekam Tomas.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 11:36 am

Sie sprach wahre Worte, Tomas war sich durchaus bewusst warum sie es tat. Im besten Fall konnten sie sich mit Mühe und Not aneinander gewöhnen, im schlimmsten Fall würde er wohl jeden Morgen mit Magenschmerzen aufstehen. Es bereitete ihm einigen Frust das seine Familie so schnell ging, aber sie taten es im Glauben etwas Gutes zu tun. Das dies eine gehörige Fehleinschätzung war zeigte sich schnell.
Ihre Worte überraschten ihn nicht, aber sie trafen ihn trotzdem. Sein Blick senkte sich und er errötete leicht. Jedes Wort war doch nur ein weiterer Dolchstoß, besonders weil sie zweifellos die Wahrheit sprach. Ihre Ehrlichkeit ließ ihn mehrfach nicken, als sie sprach. Es bestand also tatsächlich Einigkeit in dieser Sache, auch wenn es vermutlich nichts Gutes war. Überhaupt engte sich ihm gerade der Hals ein, bei so vielen üblen Gedanken.
Schließlich nippte er kurz an der Limonade, es tat gut die Kehle wieder zu benetzen und es half auch beim Reden. Er sah sie an und nickte kurz. "Mir geht es genauso, ich will weder dich belügen noch meine Eltern.", stimmte er ihr zunächst knapp zu. "Ich habe es mir auch nicht ausgesucht, bitte glaube nicht das diese Verlobung in irgendeiner Weise meine Idee war. Ich weiß, das tust du vermutlich nicht, aber ich wollte es dennoch klar stellen.", fuhr er dann fort, eine ungewohnte Härte lag in seiner Stimme, doch sie starb ab, genauso rasch wie sie gekommen war. Was brachte es auch noch sich jetzt mit ihr anzulegen?
"Es wird... sehr wichtig für unsere Häuser sein, fürchte ich...", murmelte er und trank einen weiteren Schluck. Er wagte es gar nicht sie jetzt noch weiter anzusehen, sah wehmütig in Richtung Wald. Wie gerne würde er dort jetzt seinen Kummer vertreiben. "Und was die Mühen angeht uns zu überzeugen, nun... die können wir uns wirklich sparen. Wir wissen Beiden, dass wir diese ganze Verlobung nicht wollen und sich Nichts ändern wird.", lag nun ein Hauch Kummer und Hoffnungslosigkeit in ihm. "Ich... will nur, das... wir es... für unsere Eltern tun, für unsere Geschwister und Häusern.", sah er sich quasi gezwungen zu erklären, warum er überhaupt noch hier saß und nicht längst Reißaus genommen hatte.
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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 1:45 pm

Ich wusste, er hatte recht, ganz gleich wie gern ich sagen würde 'Wieso sollte ich meinem Vater den Gefallen tun? Was hat er je für mich gemacht? Er hatte ja immer nur Augen und Ohren für dich'. Aber ich wusste, das würde nichts bringen. Die Verlobung würde nicht gelöst, mein Vater wäre vermutlich ungefähr so interessiert wie wenn eine Stute bestiegen wird und Tomas würde noch verstockter werden. Ich seufzte daher nur tief Wir sind es unseren Häusern wohl schuldig... Mein Blick glitt kurz über sein Gesicht, dann über die Landschaft. Es fühlte sich so falsch an, hier zu sitzen und auf normal zu tun, dass ich es schließlich nicht mehr aushielt Ich weiß, dass diese Verbindung nie so sein wird wie die, die sich meine Mutter immer für mich gewünscht hat... aber wir sollten entweder versuchen das hier zu verhindern, ohne dass man merkt, dass wir das waren, oder lernen miteinander auszukommen... Ich weiß, wie sehr es einen Zermürben kann, so lange Zeit mit jemandem zu verbringen, der einem nur Hass und Verachtung entgegen bringt, und das will ich nicht... Das will ich weder dir noch mir antun... Ich hob den Blick und sah Tomas an. So wenig ich ihn auch mochte, selbst er hatte das hier nicht verdient. Bei mir war ich mir da nicht mehr ganz so sicher, vielleicht hatte ich es doch verdient nach allem, was ich getan hatte, aber er? Er hatte nie effektiv etwas gegen mich getan, sich nur gewehrt. Er hatte eine glückliche Ehe verdient mit einem Mädchen, dass ihn so lieben konnte wie er es verdiente, und das auch er lieben konnte. Dennoch würde ich mich hüten, etwas in dieser Art ihm gegenüber jemals zu erwähnen. Er brauchte sich nicht zu sehr daran gewöhnen...
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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 1:56 pm

Sein Blick senkte sich erneut und er seufzte wieder schwach. "Das sind wir.", bekräftigte er, als wäre es sein Mantra. Er spürte ihren Blick vorbei huschen, wich ihm instinktiv aus, was diese Zusammensein schlagartig noch unangenehmer machte. Erst als sie wieder das Wort erhob sah er sie an, beinahe schockiert. "Verhindern? Wenn es nur möglich wäre würde ich es tun.", murmelte er und biss lustlos von einem Küchlein ab. Es schmeckte ihm nicht, dabei war es doch eigentlich seine Lieblingssorte. Aber die Kehle schnürte sich ihm trocken zu und er seufzte.
"Ich... will ja lernen mit dir auszukommen. Es... ist wirklich nicht so, dass ich dich aus tiefem Herzen hasse. Aber ich mag dich nicht, ganz und gar nicht.", versuchte er dann einfach ehrlich zu bleiben, auch wenn er sich wünschte die Wahrheit wäre angenehmer. "Ich glaube sogar, dass du Besseres verdienst.", fügte er an. Seinem Tonfall war deutlich anzumerken das es nicht irgendeine hohle Schleimerei war, mit der er versuchte sich anzubiedern. Es war ein nüchterner Fakt, trocken serviert. "Ich hatte gehofft... nach all den Jahren... das wir einander vielleicht anders ansehen würden, doch... so ist es nicht.", überlegte er dann laut und wieder seufzte er.
Sein Blick glitt kurz wieder zum Wald und er musste nun eingestehen das es verflucht verlockend war die Hochzeit irgendwie abzusagen. "Angenommen es... gäbe andere Partner für uns, mit deren Verbindung wir unseren Häusern ebenfalls dienlich wären...", versuchte er sogar einen Plan zu gewinnen, aber einen gewaltigen Haken gab es doch. "Mein Vater wird es ohnehin nicht erlauben. Er ist kein gieriger Mensch, doch... die Mitgift ist beträchtlich, wie du sicher weißt. Dein Vater bezahlt eine Summe, die... würde Jägershof erlauben nicht mehr unter ständiger Angst vor Missernten zu leben. Wir sind bisher immer gut ausgekommen, aber... ich verstehe, das mein Vater eine Sicherheit will. Und die... gibt es eben nur mit dir.", brachte er diesen Haken auch direkt zum Ausdruck. Ob er damit zu ehrlich gewesen war wusste er nicht. Doch er hasste die Lügenspiele ebenso sehr wie sie und sie schienen sich ja endlich in einem Punkt einig zu sein. Wieder nippte er an seiner Limonade.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 2:19 pm

Ich lehnte mich leicht zurück und musterte ihn "Dein Vater will diese Hochzeit, um sicherzugehen, dass mein Vater die Mitgift zahlt. Würde es sich ändern, wenn... er diese Sicherheit nicht mehr hätte? Wenn die Mitgift nicht mehr verfügbar wäre und mein Vater im Falle einer Hochzeit nicht mehr zahlen kann?" sinnierte ich und sah ihn an. "Ich hatte zwar gehofft, dass wir besser miteinander auskommen als damals, jetzt wo mein Vater nicht mehr ständig hier ist..." Ich stand auf und schüttelte den Kopf "Du hast auch etwas besseres verdient als so ein zänkisches Biest wie mich..." Langsam musterte ich ihn "Du bist erwachsen geworden... Aus dem kleinen tollpatschigen Jungen ist ein stattlicher junger Mann geworden..." meine Stimme war leise, da ich nicht wirklich wollte, dass er das hörte, es aber doch sagte, weil ich es eben doch wollte. Ich wollte, dass er wusste, dass ich in ihm nicht mehr den nervigen kleinen Jungen sah, den ich damals so gehasst hatte. Ausstehen konnte ich ihn zwar nicht mehr, aber ich wusste, dass sich viel geändert hatte und ich bereit war, die Situation neu zu betrachten, wenn das nötig werden sollte. Zumindest das konnte ich tun, das war ich ihm schuldig. Nicht, dass ich komplett aufhören würde, alle Abneigungen fallen ließ und von vorn begann, aber meine Sicht der Dinge war auch nicht perfekt, und ich war bereit, sie anzupassen.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 2:29 pm

Tomas nickte langsam, dann etwas vehementer. "So ist es wohl.", wagte er vorsichtige Bestätigung, hatte aber doch sofort auch einen Einwand. "Aber wieso sollte er plötzlich nicht mehr zahlen können?", fragte er mit einem kleinen Hoffnungsschimmer in den Augen, ganz so als hätte sie längst einen Plan. Zuzutrauen wäre es ihr, er wusste das sie die Dinge die sie sich in den Kopf setzte oftmals auch bekam.
"Ich ebenso.", murmelte er noch still, dann ließ ihn die nächste Äußerung verwundert aufsehen. Auch er betrachtete sie nun sehr genau, lauschte ihren Worten mit ganz besonderer Aufmerksamkeit. "Sag so etwas doch nicht. Du bist kein zänkisches Biest...", wies er ihre Worte zurück und wagte ein vorsichtiges Lächeln. "Auch du bist erwachsen geworden. Wären wir uns nur zufällig begegnet, ich hätte dich kaum wieder erkannt. Du bist eine wahre Lady geworden, elegant und vornehm, Niemand kann es leugnen.", sprach auch er nun leise und vor Allem ehrlich. Er brauchte ihr keinen Honig um den Mund schmieren und für einen Moment glaubte er sogar das es zumindest ein Stück besser war als früher. Trotzdem brauchte er nur einmal in sich hinein horchen, um diesen Gedanken zu vertreiben. Allein schon weil Vasilyssas Widerwillen deutlich heraus klang würde es kaum etwas bringen.
Erneut musterte er sie. "Meine Eltern... ihre Hochzeit war ebenfalls arrangiert. Es ist wohl... nie ganz einfach.", versuchte er es positiv zu betrachten. Seine Eltern hatten sich lieben gelernt, er wusste es. Doch ob es ihnen jemals gelingen konnte? Er bezweifelte es. Zumindest würden sie miteinander auskommen können, für den Moment war dies mehr als er anfangs geglaubt hatte. Doch noch immer geisterte in seinem Kopf die Idee herum an der Mitgift zu schrauben. "Aus... welchem Grund könnte dein Vater plötzlich so viel Geld ausgeben das er nicht mehr bezahlen kann?", fragte er also vorsichtig nach. Er wollte die Möglichkeit in Betracht ziehen, auch wenn es sich schmerzlich so anfühlte als könnte er damit den eigenen Vater im Stich lassen.
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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 2:43 pm

Ich schmunzelte leicht und schüttelte den Kopf "Ich hab dir Pferdeäpfel in die Schuhe getan!" erinnerte ich ihn "Für viele wäre das Grund genug, mich von der Mauer zu schubsen..." Ich erinnerte mich einem amüsierten Schmunzeln an die harmloseren Streiche von früher. Klar, es hatte auch solche gegeben, die weniger harmlos waren, und die hatten es wirklich in sich gehabt.
Mit einem Schmunzeln ließ ich mich auf den Stuhl sinken und überschlug die Beine "Es gäbe eine Sache, für die er zahlen würde... Er kann mich noch weniger ausstehen als du, aber er hat meiner Mutter versprochen, für uns Kinder zu sorgen... er würde also sein gesamtes Vermögen hergeben, um uns zu helfen..." mit einem geheimnisvollen Lächeln fuhr ich fort "Wenn also jemand von uns Opfer einer Entführung würde, würde er jedes Lösegeld fordern, um uns zu befreien..." Ich lächelte wieder, doch das Lächeln wurde begleitet von einem ziemlich bösartigen Blitzen in meinen Augen "Nur wer sollte mich entführen, schließlich bin ich hier doch vollkommen in Sicherheit..." Meine Stimme bildete den totalen Kontrast zu meinen Augen, denn sie war vollkommen unschuldig und zuckersüß, man würde mir absolut nichts böses zutrauen wenn man mich so hörte. Dann war ich jener blonde Engel nach dem ich auch aussah. Schade, dass davon innerlich nur so selten etwas zu sehen war...

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 2:55 pm

Tomas nickt und ertappt sich dabei wie er sogar schmunzelt. Kann er mit etwas Abstand etwa über diese Streiche lachen? Nun, über die Pferdeäpfel schon. Es war eine Sauerei gewesen, aber er war nicht rein getreten weil der furchtbare Gestank ihn gewarnt hatte. "Im Gegenzug habe ich deine Haarbürste mit Honigleim präpariert...", erinnerte er sie wiederum. "Das war... Luft genug um dich nicht schubsen zu müssen.", murmelte er noch, aber da war es wieder. Dieses Schmunzeln.
Ihre Worte ließen es langsam verschwinden, er wusste das ihre Vater nicht immer gut zu ihr gewesen war und es hatte seine Meinung vom anfänglich so freundlich erscheinenden Lord langsam verändert. Oder war es nur das allgemeine Unwohlsein in Quellspring? Wenn er recht überlegte konnte Tomas sich nicht mehr daran erinnern.
Ihre Worte weckten großes Interesse bei ihm. Anfangs schien es bei ihr wirklich nur ein loses Gedankenspiel, doch je mehr sie sprach desto mehr hing er an ihren Lippen. Diese Teufelin war doch wirklich nicht zu fassen! "Es stimmt wohl, hier ist es sicher...", murmelt er, während in seinem Kopf die Gedanken rasen. Er zuckte hoch, sah sie ernst an. "Willst du etwa sagen wir sollen...?", wagte er es gar nicht den Gedanken auszusprechen. Dabei war es doch so klar was sie wollte.
"Die Lüge wäre immens, das weißt du.", versuchte er es also gleich abzuwälzen, diese ganze Angelegenheit nur ihr anzuheften. Dabei wurde er sich bewusst, wie reizvoll ihre Worte schienen. Wieder einmal hatte sie es geschafft ihn in ein Ärgernis zu reiten, auch nach all den Jahren war sie eine Meisterin darin. Tomas seufzte und trank nachdenklich und langsam weiter.
"Mal angenommen... wir tun es. Dann... würden wir das Geld sicher aufbewahren, bis wir Beide in andere Häuser verlobt werden. Bloß... wie spielen wir es dann unauffällig zurück? Es wäre eine grässliche Schande wenn dein Vater deswegen derart beraubt würde.", brachte er nur einen von vielen Einwänden vor. Die Risiken waren immens und dennoch... blieb es verlockend. "Der Entführer müsste in der Nacht zuschlagen. Er müsste den Wald gut kennen und sich von Osten nähern, wo die Obstbäume Deckung bieten. Mit einer Leiter könnte er dein Zimmer erreichen und dich rauben, ganz unbemerkt, weil du sicher zu große Angst hättest zu schreien. Noch ehe jemand etwas bemerkt wärst du in einer der vielen versteckten Jagdhütten und Niemand könnte dich oder deinen Entführer finden..."

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Vasilyssa Krenz

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 4:02 pm

Ich schmunzelte nur leicht "Ich hatte mehrere Wochen lang ein Loch in der Frisur..." sie seufzt "Aber ja, genau das will ich sagen. Wir täuschen eine Entführung vor... Es wäre eine große Lüge, ja... Aber sie würde uns eine Zukunft voller Schmerz und Streit ersparen..." ich stand langsam auf und ging langsam auf und ab Mal angenommen, wir würden meinen Vater um die Mitgift erleichtern, indem wir sie als Lösegeld fordern. Damit wäre die Hochzeit Geschichte. Und wenn wir beide in passende Häuser verlobt sind, lassen wir das Geld entweder meinem Vater zukommen oder deinem oder jemanden, der es nötiger braucht... Der Plan nahm in meinem Kopf immer mehr Gestalt an und die Aussicht, damit dieser Verlobung zu entkommen, war einfach zu reizvoll. Und ich wollte diese Verlobung um jeden Preis verhindern. Denn wäre die Hochzeit erst vollzogen, gäbe es kein zurück mehr. Dann wären wir für immer aneinander gebunden, wortwörtlich bis dass der Tod uns schied. Das wäre eindeutig mehr, als ich ertragen würde.
Es ist unsere einzige Chance, der Verlobung zu entgehen... Vorausgesetzt du hast nicht vor mich wirklich von der Mauer zu werfen oder dir einen deiner Pfeile für dich zu reservieren... Ich schauderte leicht und schüttelte den Kopf. Nein, ich würde es ganz sicher nicht aushalten, ein leben lang mit ihm verheiratet zu sein und vermutlich täglich mit ihm zu streiten.

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Tomas Drees

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 4:13 pm

Tomas sah etwas beschämt zu Boden. "Tut mir Leid.", murmelte er beschämt. Damals wäre es ihm so wohl nicht ergangen, doch er war erwachsen geworden. Diese elenden Streiche hatten nichts Gutes gebracht, so viel stand fest. Und er hatte gerade wirklich ein schlechtes Gewissen, obwohl es damals wie die gerechte Retourkutsche für die völlig ruinierten Schuhe erschien. Barfuß hatte er zurück zur Burg laufen müssen, es war wirklich ein Elend gewesen.
"Eine fürchterliche Lüge... für einen guten Zweck...", seufzte er, als seine Gedanken wieder ins Jetzt drifteten. Er konnte sich keine weitere Tagträumerei erlauben, nicht wenn hier gewichtige Pläne geschmiedet wurden. Und dieser Plan konnte ihr ganzes Leben umkrempeln, ebenso das Schicksal ihrer Häuser. "Dein Vater sollte das Geld in vollem Umfang zurück erhalten.", sprach er endlich wieder mit fester Stimme. Dies war sehr deutlich seine Meinung, sonst hatte er noch mehr das Gefühl sich eines Raubs schuldig zu machen. Dabei war das Vorhaben ja ohnehin schon irrwitzig und unmoralisch genug.
"Nein!", antwortete er etwas überhastet bei ihren nächsten Worten. "Kein Pfeil, keine Mauer.", fing er sich sofort wieder und sprach erneut leise. Kurz seufzte er, dann sah er sie an. "Ich wünsche dir ein glückliches, gesundes Leben. Bloß... weit weg von mir.", blieb es bei nüchterner Ehrlichkeit. Ihr Ziel war nun also klar. Es war absolut verrückt, dass sie ausgerechnet jetzt so einig waren, wenn es darum ging einander loszuwerden. Doch anders konnte er es sich auch kaum vorstellen.
Er erhob sich ebenfalls und trat näher zu ihr hin. Sein Blick war ernst. "Wir tun es. Ich werde dich schon heute Nacht entführen und in eine Hütte tief im Wald bringen.", sprach er sehr leise, aber eindringlich. Er war nervös, man sah es deutlich. Die Sache verängstigte ihn, aber es war auf lange Sicht die einzig richtige Entscheidung. In seiner Not gab er sich sogar dem Drang hin nun ihre Hände zu nehmen. Ihre Finger waren weich, die Haut eben und rein. Er sah ihr in die Augen und wartete auf ihre Bestätigung, auf die hin er ihr sogleich einen Handkuss geben würde, damit es den Anschein hatte als wäre ihr Plausch ganz normal verlaufen. Er ahnte, dass man sie beobachtete, wenn auch aus sicherer Entfernung.

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Vasilyssa Krenz

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 5:22 pm

Ich neigte den Kopf und sah ihn an Du musst danach aber wieder zurück, damit niemand Verdacht schöpft... Glaubst du, du kannst es überzeugend genug spielen? Ich musterte ihn. Das ganze war ziemlich riskant. Wenn man uns erwischte, wären wir ziemlich geliefert. Wir mussten gut aufpassen, jeder Schritt musste geplant werden. Nichts durfte schiefgehen, alles musste nach Plan laufen. Ich werde einige Sachen mitnehmen und auf dich warten... Und auch wenn es riskant ist, danach sind wir frei, frei uns neu zu verlieben, uns unsere Heimat auszusuchen und ein slebstbestimmtes Leben zu leben... Ich ignorierte das Kribbeln in meinen Händen und neigte den Kopf Mein Vater kann sein Geld gern zurückhaben, gerade das ist ihm ja so unglaublich wichtig...
Nach seinem Handkuss zog ich die Hände zurück, knickste und entfernte mich etwas. Ich wollte dieses Kribbeln nicht mehr spüren, es verwirrte mich zu sehr. Etwas ähnliches hatte ich noch nie gespürt, und es machte mir wirklch rigendwie Angst. Mit einem weiteren Knicks verabschiedete ich mich und ging in das Haus. Eine Bedienstete brachte mich in das gemütliche Gästezimmer, wo auch meine ganzen Sachen lagen.
Ich ließ mich aufs Bett sinken und fuhr mir durchs Gesicht, ließ endlich die Maske fallen. Es tat so gut, emdlich wieder ich selbst zu sein, niemandem mehr etwas vorspielen zu müssen.

TBC: Das Gästezimmer

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 16, 2017 5:34 pm

Tomas nickt vorsichtig. "Ich werde es müssen, es bleibt keine andere Wahl.", erwiderte er mit schmalem Lächeln, als wollte er Zuversicht versprühen ohne das es gelang. "Du... könntest auf deinem Zimmer einen Brief der Entführer schreiben. Meine Handschrift ist hier bekannt und ich kann sie nicht gut verstellen. Aber du warst immer schon sehr fingerfertig...", sprach er eine Bitte aus, von der er nie erwartet hatte sie stellen zu müssen. Es machte die Sache nur noch beängstigender, doch er spürte große Entschlossenheit aufkommen, als er ihre Worte hörte.
"Ja, das sind wir...", murmelte er mit bitterem Ton, nickte dann als sie bekräftigte ihrem Vater das Geld zurückzugeben. Der Handkuss war dieses Mal seltsam. Tomas wusste selbst nicht was es war, jedoch schien selbst die Hand mit der er sie kurz berührt hatte zu prickeln. Er versuchte sich nichts dabei zu denken, doch es war schwer und erst als er wieder bei seinem Vater war klärten sich die Gedanken.
Niemand schöpfte Verdacht, obwohl er sicherlich sehr nervös war. Man schob es dem Wiedersehen mit der alten Freundin und dem ganzen Trubel um die Verlobung zu, ausnahmsweise kam es ihm zu Gute, dass er immer schon so schüchtern gewesen war. Alle im Haus waren sehr aufgeregt, was ihm nur noch mehr Bauchschmerzen bereitete. Er tröstete sich damit, dass letztendlich Niemand zu Schaden kommen würde und mit dem Gedanken daran seinem Haus auf lange Sicht sogar einen Gefallen zu tun. Wenn er sich mit Vasilyssa nur stritt und sie einander nicht trauen könnten würde es keinen Frieden auf Jägershof geben, dabei sollte die Hochzeit doch genau diesen Frieden sichern. Mit diesem Gedanken verabschiedete er sich unter dem Vorwand eines kleinen Spaziergangs durch den Wald um einige Vorkehrungen zu treffen. Nachts als Alles schlief schlich er dann zum Fenster des Gästezimmers.

tbc: Das Gästezimmer

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 23, 2017 4:24 pm

Ich wusste nicht, wie lange wir durch den Wald stapften, dennoch kam es mir wie eine Ewigkeit vor. Jeder Schritt brachte uns seiner Familie näher und damit zurück in das Leben, aus dem wir ursprünglich geflüchtet waren. Als schließlich zwischen den Bäumen die Mauern von Jägershof in Sicht kamen, zögerte ich. Durch den langen Marsch schmerzte mein Fuß wieder, und obwohl es mir absolut zuwider war, diese Schwäche einzugestehen, das Humpeln würde das ganze nur noch unterstreichen, schließlich war es ziemlich unwahrscheinlich, dass ein Entführer zimperlich mit seinen Geiseln umging.
Sicher... dass wir das tun sollten? fragte ich leise nach, meine Nervosität steigerte sich nochmal. Was, wenn sie uns das ganze nicht glauben würden? Wenn sie etwas merkten und böse sein würden? Ich wollte nicht, dass Tomas meinetwegen mit seiner Familie stritt. In meiner Familie war es vielleicht normal, dass ich mich mit meinem Vater stritt, aber in seiner Familie war das anders. Dort herrschte Harmonie, sie liebten einander, und es wäre schrecklich, wenn das meinetwegen zerstört wäre.
Da ich jedoch wusste, dass wir jetzt, da die Entscheidung getroffen war, keine andere Wahl mehr hatten, deshalb ging ich langsam weiterauf das geöffnete Tor zu. Zu meiner großen Überraschung erkannte ich im Hof etwas, das ich nie erwartet hätte: Das Pferd meines Vaters und das meines großen Bruders. Ich blieb stehen, Angst kam in mir hoch, aber auch Wut, beides brachte meine Finger zum zittern, meine Augen flackerten leicht.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 23, 2017 4:34 pm

cf: Tomas alte Jagdhütte

Die Entscheidung sie mit dem Münzwurf scheinbar zu überrumpeln kam Tomas noch immer richtig vor. Dennoch plagte ihn der gemeinsame Gang durch den Wald. Ständig musste er nachdenken ob sie richtig handelten, jede Entscheidung wurde noch einmal hinterfragt, sodass ihm der Marsch sehr zügig vorkam. Es gefiel ihm nicht, dass Vasilyssa so gerupft aussah, aber es war wohl leider nötig.
"Ganz sicher.", antwortete er ihr und lächelte aufmunternd, obwohl er sich so sicher eigentlich nicht war. Aber sie brauchten jetzt Zuversicht. Zuversicht und Zusammenhalt, sonst war ihr Ränkespiel verloren. Ihr Blick und ihr Zittern entgingen ihm nicht, Tomas konnte daraus schließen, dass die fremden Pferde wohl zu ihrem Vater gehörten. Wieder lächelte er sie an. "Alles wird gut. Ich beschütze dich...", versicherte er leise und gab ihr einen Kuss auf die Wange.
Er nahm sie bei der Hand und nickte noch einmal aufmunternd, dann traten sie aus dem Schutz der Büsche. Tomas war nervös, geradezu verängstigt, aber jetzt gab es längst kein Zurück mehr. Sie traten offen auf den Hof und sofort wurden sie von einem Diener bemerkt, der eiligst mit Rufen auf die Rückkehrer aufmerksam machte. Der ganze Jägershof schien zum Leben erweckt zu sein. Tomas Mutter erreichte sie zuerst, Beide erhielten Umarmungen die es wirken ließen, als wären gleich zwei verlorene Kinder zurückgekehrt. Ihre Erleichterung trieb Tomas Tränen in die Augen, spürte er doch nun wie groß die Sorge gewesen sein musste.
Auch der Rest der Drees erschien, Alles erkundigte sich wild durcheinander nach ihrem Zustand, was geschehen sei. Tomas versuchte diese Fragen mehr oder minder abzuschütteln und berief sich darauf, dass Vasilyssa jetzt Ruhe brauche. Es schmerzte ihn noch immer zu lügen, doch das hatten sie sich eingebrockt. Schließlich machte er auch weitere Gestalten aus, der alte Lord Krenz wirkte sehr verändert seit Tomas ihn das letzte Mal gesehen hatte, aber er erkannte ihn und hatte sofort Sorge wie er reagieren würde, jedoch auch Sorge wie Vasilyssa reagieren würde.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 23, 2017 4:58 pm

Langsam verschränkte ich die Finger mit seinen und ging neben ihm her. Durch die kurze Pause war ich mir über die Schmerzen in meinem Fuß deutlich klarer geworden, leicht humpelnd betrat ich den Hof. Die offensichtliche Erleichterung von Tomas' Mutter versetzte mir einen Stich, einerseits, weil wir ihr so viele Sorgen bereitet hatten, andererseits weil ich das niemals haben würde. Meine Mutter würde mich nie so in die Arme schließen. Mir traten Tränen in die Augen, allerdings führten die Anwesenden das auf die Erschöpfung und die Erleichterung zurück, auf die erlittenen Strapazen. Bald ließen sie mich in Ruhe, kümmerten sich nun ausschließlich um Tomas, stellten tausende Fragen, wie Wo hast du sie gefunden? oder Ist euch etwas passiert?. Ich hörte die Fragen zwar, aber meine Aufmerksamkeit galt nun dem breitschultrigen Mann an der Tür.
In meiner Brust breitete sich eine eisige Kälte aus, und langsam ging ich auf meinen Vater zu. Er kam mir entgegen, jedoch nicht, um mich zu umarmen, wie die Umstehenden es scheinbar zu denken schienen. Sobald er nah genug war, holte er aus und verpasste mir einen dermaßen harten Schlag, dass ich zur Seite und zu Boden geschleudert wurde. Die weiche Haut über meinem Wangenknochen platzte auf und warmes Blut rann über mein Gesicht. ICH HATTE DIR GESAGT, DU SOLLST ES NICHT WIEDER VERMASSELN! ABER SCHEINBAR BIST DU SELBST DAFÜR ZU UNFÄHIG! brüllte mein Vater, bevor er ein Messer aus seinem Gürtel zog. Meine Augen glommen vor Wut auf und bevor er noch etwas tun konnte, holte ich aus und trat ihm das Messer aus der Hand. Durch den Schwung kam ich auf die Beine. Ich wusste, dass ich in jeder anderen Situation ausgerastet wäre, angefangen hätte zu schreien. Doch jetzt war da eine eigenartige Ruhe in mir, die ich so nicht kannte. Eine Art warm flackerndes Feuer inmitten der eisigen Kälte meines Herzens. Und dieses Feuer war Tomas. Er sollte nicht sehen, wie ich sein konnte, wie skrupellos und grausam ich sein konnte. Ich wollte nicht, dass er mich so sah, den Teil meiner Selbst sah, den ich von meinem Vater geerbt hatte. Und ich wollte mich selbst nicht mehr so sehen, wollte jemand anderes sein, jemand der es wert war, von jemandem so wundervollen wie Tomas geliebt zu werden.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 23, 2017 5:06 pm

Der Trubel um die Heimgekehrten war groß. Tomas war von seiner Familie umringt und die Fragen prasselten auf ihn ein. Er versuchte sie der Reihe nach abzuwehren, eine nach der anderen, was beinahe unmöglich war. "Ein... Versteck im Wald... eine Art Jagdhütte...", blieb er sogar bei der Wahrheit, wenn auch nur schwammig. "Es geht uns den Umständen entsprechend gut...", war die nächste Halbwahrheit, denn er fühlte sich von all den Lügen und Gefühlen arg gebeutelt. Bei all der Aufregung um ihn herum bemerkte er nicht wie sich Vasilyssa und ihr Vater einander näherten. Den Schlag und das Gebrüll bekam er aber sofort mit.
Entsetzt trat er aus dem Kreis seiner Familie, auch sein Vater humpelte ihm hinterher. Beide Herren aus dem Haus Drees, jung und alt, gesund und verkrüppelt stellten sich zwischen Vater und Tochter. Tomas schloss Vasilyssa sofort in die Arme, gab ihr ein Tuch für das Blut. "Das wird er bezahlen...", flüsterte er ihr zu und drückte sie fest an sich, einerseits um sie zu trösten, andererseits um selbst wieder zur Ruhe zu kommen, bevor er etwas Dummes tat. Sein Vater war derweil außer sich und Lord Krenz durfte sich nun ehrliche, harte Worte anhören. Wild mit der Krücke fuchtelnd wurde geschimpft, bis Tomas es nicht mehr aushielt und seinen Vater zurückzog.
"Eure Tochter, Mylord...", trat er selbst nun selbst nach vorne. "... ist eine wunderbare Lady. Sie hat rein gar nichts vermasselt.", erklärte er ruhig, aber seine Finger zitterten. Nie zuvor hatte er Lord Krenz Paroli geboten und es war beängstigend. Dieser Mann war ihm wie ein Vater gewesen, aber dafür hatte er vor seiner eigenen Tochter versagt und sich versündigt. "Wir werden einander heiraten und jeder Mann der es wagt Hand an sie zu legen...", sprach er weiter und mit fester Stimme. Seine Drohung brachte er dann doch nicht zu Ende, es war nicht seine Art. Aber seine Finger zuckten kurz über die Federn an einem seiner Pfeile, dabei hatte er es gar nicht gewollt.

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BeitragThema: Re: Innenhof des Guts   Do März 23, 2017 5:34 pm

Ich zog mich wieder tiefer in mich zurück und schauderte, tupfte dann das Blut von meiner Haut. Zu hören und zu sehen, wie sowohl Tomas als auch sein Vater sich schützend vor mich stellten, trieb mir kurz die Tränen in die Augen. Schließlich jedoch hielt ich es nicht mehr aus und legte Tomas eine Hand auf den Arm. Hör auf, Tomas... Das ist es nicht wert... Er wird es nicht verstehen, ganz egal was du sagst oder tust... murmelte ich und sah meinen Vater an Du bist nicht der einzige, der seit Mutters Tod leidet. Aber wir sind beide nun mal in dieser Situation, und ganz egal, wie oft du mich schlägst oder wie oft du mich anbrüllst, Mutter wird deshalb nicht wieder lebendig, und du kannst entweder dein ganzes Leben über das schimpfen, was passiert ist, alle um dich herum dafür beschuldigen, oder aber du kannst dir ein neues Leben aufbauen und akzeptieren, dass es eben weitergeht... Ich schüttelte leicht den Kopf und schloss die Augen Du stellst dich immer als der große Kämpfer hin... aber eigentlich bist du einfach nur feige... Bevor er mich erneut schlagen konnte, packte ich sein Handgelenk und hielt ihn so fest, dass seine Hand keinen weiteren Millimeter auf mich zukam. Es war das erste Mal, dass ich einen Schlag von ihm abfing, und man sah seine Überraschung auch deutlich.
Du warst der Meinung, das hier sei eine Strafe für mich... Aber im Gegenteil... Es ist eine Belohnung, eine Möglichkeit, ein neues Leben anzufangen, mit jemandem an meiner Seite, den ich liebe, und der auch für mich so viel mehr empfindet als du es jemals könntest...
Kurz wurde meine Stimme traurig, dann trat ich zurück Nimm dein Pferd und deine Sachen und verschwinde von hier... Verkauf mich ruhig, hilf dieser Familie und entledige dich deiner Tochter! Aber diese Leute hier haben etwas, das du niemals haben wirst... Eine Familie! Und wenn du es wagst, meinen Geschwistern auch nur ein Haar zu krümmen, kannst du bei der Seele von Mutter darauf schwören, dass ich nicht zögern werde, dir all das tausendfach zu vergelten...
Das Taschentuch auf die Wunde gedrückt wandte ich mich ab und entfernte ich mich von ihnen, ein Brennen hinter meinen Augen warnte mich davor, dass die Tränen kommen würden, wenn ich weiterhin hier blieb. Und diese Genugtuung würde ich meinem Vater nicht geben, denn so wie er mir jetzt nachblickte, vollkommen verwirrt und überrumpelt, war klar, wer diese Konfrontation gewonnen hatte. Das erste Mal überhaupt, dass es so ausging.
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