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 Take a drink from that promised land

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BeitragThema: Take a drink from that promised land   Sa Jul 22, 2017 11:45 pm

Dorne war heiß und sandig. Doch ansonsten unterschied es sich in nichts von dem Rest der sieben Königslande. Ja, die Frauen liefen etwas freizügiger bekleidet herum. Ja, Frauen mit Waffen waren kein seltener Anblick. Und ja, der Wein war vorzüglich. Doch es wurde regiert von Adligen. Adlige, die bereit waren, in den Kampf zu ziehen, wie sie es nannten, doch in Wahrheit schickten sie nur Mann um Mann ins Feld, ließen ihn bluten und sterben, freuten sich, wenn es ihre Macht vergrößerte und waren entsetzt, wenn es ihre Macht schädigte. Sie redeten von Rache. Rache für Personen, die schon seit Jahrzehnten tot waren. Adlige natürlich. Doch wer rächte die Kleinen, das gemeine Volk? Wer rächte seine Schwester, die man dafür erhangen hatte, dass sie von einem Soldaten, der die Farbe der Lennisters trug, versklavt worden war? Wer rächte seine Mutter, die wieder und wieder vergewaltigt wurde, bis man ihrer satt wurde und sie ermordete? Wer rächte seinen Vater, der niedergeschlagen worden war, weil er seine Frau hatte rächen wollte? Wer rächte Curtass, der nun hier stand, ohne Familie und ohne Zuhause, Curtass, der jeden Tag trinken und trinken musste, damit er vergaß, damit er am nächsten Morgen wieder aufstehen konnte? Wer rächte all die Opfer dieser wahnwitzigen Machtspielchen der feinen Lords und Ladys, die nur Marionetten sahen, wenn sie Menschen wie ihn, Curtass Blackeye sahen? Niemand. Man brachte nur neues Unheil über sie.
In diese Gedanken versunken saß Blackeye in einem der hintersten Winkel der Taverne, die er am Rand des Königsweges gefunden hatten. Seine Lippe war aufgesprungen und sein rechtes Auge blau und geschwollen. Er versoff den Rest seines Lohns, wie am gestrigen Abend auch, als er aufgesprungen war und ein Schankmädchen in Schutz genommen hatte, das von einem Grobian offensichtlich wider Willen angegrabscht worden war. Es war zu einer Schlägerei gekommen, die Curtass gewonnen hatte. Es war sein verdammter Job, Kämpfe zu gewinnen, und so hatte er gewonnen. Als Dank hatte das Mädchen ihn gesund gepflegt und hätte vermutlich mit ihm geschlafen, wenn er das Ganze nicht beendet hätte. “Du hast Besseres verdient”, hatte er zu ihr gesagt und war zu seinem Wein zurückgekehrt, um die Dämonen der Vergangenheit wieder einmal zu ertränken.
Heute war es eine andere Taverne, eine andere Stadt. Doch der Wein war derselbe und Blackeyes Dämonen waren es auch. Er trank den Wein becherweise, kümmerte sich nicht um den Geschmack und kippte ihn nur herunter. Er würde es tun, bis sein Verstand sich in einem weichen Tuch eingehüllt fand, das alle Gedanken an früher draußen hielt. Er würde es tun, bis er endlich vergaß. Und dann würde er am nächsten Morgen aufwachen und die Dämonen waren wieder da, belagerten ihn, bissen und kratzten und peitschten ihn, bis er am Abend wieder zur Flasche griff. Es war ein unendlicher Teufelskreis. Doch das war das Leben, nicht wahr? Jeder hatte seine Dämonen und jeder bekämpfte sie auf seine Weise.
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Anicia Allyrion

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BeitragThema: Re: Take a drink from that promised land   So Jul 23, 2017 10:20 am

Wie lange war es her, seit sie das letzte mal wirklich frei gewesen war? Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern. So lange sie denken konnte war da immer entweder ihre Mutter oder aber Lady Toland gewesen, die sie eingeschränkt und herumkommandiert hatten, doch jetzt, jetzt war sie frei. Zwar auf der Flucht in gewisser Weise, aber doch frei. In der letzten Nacht hatte sie sich ein Pferd aus dem Stall der Tolands genommen und war mit einer einzigen Tasche losgeritten, weg von ihren Pflichten als zukünftige Lady des Hauses Allyrion, weg von den harten Prügelstrafen durch Lady Toland und vor allem weg von dem schrecklich aufgesetzten Getue der Lords und Ladys, das man auch ihr einzuprügeln versucht hatte. Es war nicht sonderlich schwer zu erkennen, dass sie bereits Gewalt erlebt hatte, ihre gestraffte, stolze Haltung und der abmessende, kühle Blick zeigten, dass sie durchaus wusste, wie sie sich zu verteidigen hatte, während die hellen Narben auf ihrer karamellfarbenen Haut als Zeichen dienten, dass sie kein verweichlichtes kleines Mädchen war. Gut, um letzteres zu beweisen konnte man auch das schmale Schwert auf ihrem Rücken anführen, oder die beiden Messer an ihrem Gürtel, doch wenn man die Waffen außen vor ließ, waren da eben nur die Narben.
Sie hatte ursprünglich vorgehabt, nur eine gewisse Distanz zwischen sich und die Tolands zu bringen und das Pferd dann zurückzuschicken, doch sie hatte schnell gemerkt, dass die Tolands sie weder verfolgten noch irgendjemand hier, weiter entfernt von Göttergnad, ihrer Heimat, wusste wer sie war, wenn sie vorbeiritt. Ihr Name war hier durchaus bekannt, aber sie würde sich hüten, ihn zu verwenden, wenn sie schon mal die einzigartige Gelegenheit hatte, halbwegs anonym und unerkannt unterwegs zu sein. Schließlich hatte sie es noch nie erlebt, einfach so in eine Taverne gehen zu können, ohne erkannt und sofort umschwärmt zu werden. Stattdessen konnte sie sich hier nun an einen der Tische setzen, etwas Wein bestellen und sich die anderen Gäste ansehen, ohne mehr beachtet zu werden als einer von ihnen.
Den Rücke an die Wand gelehnt ließ sie ihren Blick über die anderen Gäste der halbwegs kühlen Taverne schweifen und versuchte herauszufinden, was sie hier, in diesem entlegenen Teil von Dorne, wohl wollten. Einige waren offensichtlich Händler, andere Soldaten, doch der Mann am Tisch neben Anicias gab ihr Rätsel auf. Er war kein Händler, und obwohl er deutlich die Male von erst kurz zurückliegenden Schlägen trug, glaubte ich auch nicht wirklich, dass er Berufssoldat war. Vielleicht ein Söldner? Oder doch eher ein Dieb und Gauner, der die Schläge verdient gehabt hatte? Sie konnte es nicht sagen, weshalb sie mit dem Blick immer wieder zu ihm zurückkehrte.

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