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 Gasthaus

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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    Do Jan 05, 2017 8:38 pm

"Das ist nicht zum ersten Mal Thema einer Eurer Konversationen", stellte Lerris vollkommen korrekt fest und Caryns Lippen verzogen sich zu einem schiefen Grinsen. "Da habt Ihr Recht. Die meisten Männer sind sehr stolz auf ihre Schwerter." Um zu kontern, versuchte sie eine ernstere Miene aufzusetzen, doch das Grinsen verwandelte sich lediglich in ein schwaches Lächeln. Kurz bevor sie antworten konnte, kam die Wirtin mit einem Tablett zurück, auf dem ihr Essen stand. Caryn bedankte sich mit einem kurzen Lächeln bei ihr und schloss die Hände um den Krug mit der heißen Milch. Wie lange hatte sie so etwas nicht mehr getrunken? Es musste vor dem Krieg gewesen sein. Als Winterfell noch stand, Robb noch am Leben war und sie selbst trotz ihres Vaters noch einen Hauch von Unschuld besessen hatte, noch ein Kind gewesen war.
Sie schüttelte knapp den Kopf, um sich wieder auf das Gesprächsthema zu konzentrieren. "Erstens habe ich eine Überlebensregel: Suche dir deine Kämpfe aus. Ich würde niemals freiwillig gegen einen Schwertkünstler antreten. Zumindest nicht im Zweikampf, bekanntlich die einzige Form mit...gewissen Regeln. Lässt es sich nicht ändern, habe ich in der Regel mehr als ein Messer zur Hand. Und Messer kann man werfen. Der erste Wurf wird den Gegner nicht umbringen - zumindest wenn er eine Rüstung trägt - aber ihn auf jeden Fall so lange aus dem Konzept bringen, dass ich seine Verteidigung durchbrechen und ihn töten kann." Sie zuckte mit den Schultern. "Es gibt auch noch andere Wege, doch die wollt Ihr sicher nicht im Detail erfahren. Aber da ich die letzten 10 Monate damit verbracht habe, Duelle auf Leben und Tod zu gewinnen, könnt Ihr mir glauben, dass es geht. Sogar sehr gut, sonst wäre ich nicht hier." Die Ruhe, die zuvor in ihrer Stimme gelegen hatte, wurde bei der Erwähnung der Duelle von einer gewissen Kälte ersetzt. Das waren 10 Monate, auf die sie keineswegs stolz war, selbst wenn es "nur" Verbrecher gewesen waren. So oder so, sie hatte für den Spaß töten müssen. Und dafür war ein Leben viel zu wertvoll.

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BeitragThema: Re: Gasthaus    So Jan 08, 2017 5:08 pm

"Die meisten Männer sind sehr stolz auf ihre Schwerter." Bei dieser Aussage seitens Caryn musste Lerris grinsen und nach unten auf sein Schwert schielen. "Ach ja? Wirklich so viele?", fragte er nach, mit zuckenden Mundwinkeln. Ob sie schon auf so viele getroffen war? Und einmal wieder musste Lerris über sich selber innerlich den Kopf schütteln. War er etwa eifersüchtig? Aber vor allem auf was? Oder auf wen? Ein Narr, ein grenzenloser Narr bist du. Doch er konnte sich dazu überwinden, Caryn weiterhin aufmerksam zuzuhören. "Eine weise Überlebensregel. Auch wenn das nicht immer möglich ist, das wisst Ihr aber sicherlich selber." Lerris nahm einen Schluck und biss in sein Brot. "Ihr scheint Euch Eurer...Kampfmethoden aber sehr sicher zu sein. So geht es auch mir. Aber dennoch bin ich stets bereit meinen Horizont zu erweitern. Wenn Ihr das ebenfalls seid, kann man vielleicht noch voneinander lernen..." Er lächelte Caryn schief an. Dann erzählte sie etwas von Duellen in den letzten zehn Monaten und auch ihre Stimme klang irgendwie...anders. Lerris runzelte fragend die Stirn. "Die letzten zehn Monate? Ich...verstehe nicht ganz. Was meint Ihr damit?" Es gibt so vieles, das ich nicht über sie weiß. Und trotzdem kommt es mir so vor, als würde ich sie schon ewig kennen. Wie verrückt...
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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    So Jan 08, 2017 9:42 pm

"Ach ja? Wirklich so viele?", fragte Lerris mit einem Grinsen und Caryn musste lachen. "So ziemlich jeder, den ich je getroffen habe. Und das waren viele." Kurz sah sie einen seltsamen Ausdruck in den Augen, fast so als wäre er... Nein, das konnte nicht sein, oder? Er war doch nicht wirklich eifersüchtig? Mit dem plötzlichen Gefühl, zu viel gesagt zu haben, verfiel sie wieder in Schweigen und pellte mit höchster Konzentration ein hartgekochtes Ei, während sie ihm zuhörte. Etwas voneinander lernen? Sie zog eine Augenbraue hoch und musterte ihn jetzt doch. "Ihr meint einen Übungskampf?" Ihre Stimme klang ein wenig irritiert. Der letzte Übungskampf, den sie gefochten hatte, war auf Winterfell gewesen, danach war es immer um Leben und Tod gegangen. Andererseits - was sprach dagegen? Gebrochene Rippe hin oder her - sie musste wieder auf die Beine kommen. Und was half da besser als ein Übungskampf gegen einen Mann, der sie nie verletzen würde. Und woher willst du das wissen? Kurz ließ sie ihren Blick über sein Gesicht wandern. Sie wusste nicht, warum sie sich so sicher war. Doch sie wusste, dass es stimmte. Mit einem Blick auf sein karges Mahl griff sie kurzerhand nach einem der Eier und legte es ihm auf den Teller. "Aber wenn Ihr es mit mir aufnehmen wollt, solltet Ihr besser ein wenig mehr essen", kommentierte sie ihre Handlung mit einem schiefen Grinsen.
Das Grinsen verschwand jedoch sofort wieder, als er nach den Duellen fragte. Mit zusammengepressten Lippen drehte sie das gepellte Ei in den Händen. "Joffrey Baratheon hat mich zu seinem Spielzeug auserkoren.", erwiderte sie knapp und mit kalter Stimme. "Ich musste ihn mit den Duellen amüsieren oder er hätte mich töten lassen. Und der Selbsterhaltungstrieb war stärker." Sie zuckte scheinbar gelassen mit den Schultern, doch ihre Mundwinkel zuckten verdächtig, als sie an all die Toten dachte. Alle gestorben, damit ein König seinen Spaß hatte. Bilder schossen durch ihren Kopf, die letzten Blicke, die gezischten Beschimpfungen und natürlich war sie auch wieder dabei, sie war immer dabei und... Schluss jetzt! Es ist vorbei, Caryn. Es war einmal, aber es ist vorbei. Sie fasste sich wieder und aß das Ei in ihrer Hand.

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BeitragThema: Re: Gasthaus    Di Jan 10, 2017 6:41 pm

"Ihr meint einen Übungskampf?", fragte Caryn und tatsächlich klang ihre Stimme irgendwie irritiert. Lerris musste schmunzeln, amüsiert über den Gesichtsausdruck der jungen Frau. "Aber wenn Ihr es mit mir aufnehmen wollt, solltet Ihr besser ein wenig mehr essen", sagte sie dann und grinste. Er blickte von seinem Teller auf ihren. Ja wirklich, er aß nicht sonderlich viel, aber das hatte er auch noch nie, soweit er sich erinnern konnte. Gerade das verlieh ihm ja seine schmale, beinahe schlaksige Figur. "Das ist genug", sagte Lerris nur schulterzuckend und biss dann in sein Brot hinein. Ohne Vorteil war der nur kleine Hunger nicht. Als er Wochen lang unterwegs gewesen war und nur etwas Dörrfleisch und Wasser, höchstens ein wenig billiges Met bei sich hatte, gab es keinen Tag, an dem sich sein Magen beschwert hatte. Als Caryn weitersprach, verschwand das Grinsen aus ihrem Gesicht. "Joffrey Baratheon hat mich zu seinem Spielzeug auserkoren. Ich musste ihn mit den Duellen amüsieren oder er hätte mich töten lassen. Und der Selbsterhaltungstrieb war stärker." Zwar zuckte sie mit den Schultern, so als wäre nichts dabei gewesen, doch ihre Stimme und ihr Gesichtsausdruck erzählten Lerris etwas anderes. Schweigend sah er sie an, dann in seinen Bierkrug und er trank einen Schluck, während er wieder Caryn ansah. "Ich habe den...König noch nicht getroffen, aber ich hörte bereits von ihm", sagte er langsam und mit gedämpfter Stimme. "Und ich hörte nichts wirklich Gutes. Er soll doch ein..." Seine Stimme wurde noch leiser und Lerris beugte sich etwas vor. Man weiß nie, wer zuhören könnte. "...ein Junge von nicht anderer Geburt sein als ich. Ein Bastard. Und aus einer inzestuösen Liebschaft dazu."
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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    Di Jan 10, 2017 8:12 pm

Zu dem Übungskampf sagte er nichts weiter, also musste es wohl beschlossene Sache sein. Wie auch immer, Caryn hatte nichts dagegen, sich ein wenig mit ihm zu messen. Doch das mit dem Essen hatte sie durchaus ernst gemeint und so sah sie besorgt zu ihm. "Das soll genug sein?! Wenn Ihr jeden Tag so wenig esst, kann es nicht mehr lange dauern, bis Ihr irgendwann an Unterernährung zusammenbrecht." Natürlich konnte es auch sein, dass er nur zum Frühstück so wenig aß, ihr Onkel hatte diese Mahlzeit stets ausgelassen. Dennoch... Das bezweifelte sie irgendwie.
Ihre Erklärung bezüglich des Königs ließ ihn für eine kurze Zeit verstummen, in der sie den Großteil ihres Frühstücks verzehrte. Sie versuchte, so gleichgültig wie nur möglich zu wirken, doch in ihrem Kopf rasten die Gedanken und ihr Herz schlug ungewöhnlich schnell, als... als hätte sie Angst. Und das hatte sie, so seltsam es auch schien. Sie hatte Angst, dass der Mann vor ihr sich aufgrund dieser Duelle, die nie ihre Entscheidung gewesen waren, von ihr abwenden würde. Doch das wollte Caryn nicht. Es gab keinen Grund, gegen diese Erkenntnis anzukämpfen, er bedeutete ihr irgendetwas. Und das lag nicht nur daran, dass er ihr mehr als einmal das Leben gerettet hatte. Als er schließlich sprach und sitzen blieb und nicht ging, nicht einmal einen verächtlichen Ausdruck in den Augen hatte, hätte sie ihn am liebsten vor Erleichterung umarmt. "Ob die Gerüchte nun stimmen, dass er der Bastard des Königsmörder ist, oder nicht, es tut nichts zur Sache. Fakt ist, dass er dem Irren König an Grausamkeit Konkurrenz macht und dass jeder, der bisher versucht hat, dem ein Ende zu setzen gescheitert ist. Da kommt es nicht auf die Geburt an", erwiderte sie dennoch mit normaler Stimme und unterdrückte die Erleichterung. Anders käme sie sich nur kindisch vor.

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BeitragThema: Re: Gasthaus    Di Jan 10, 2017 9:07 pm

Sie sah Lerris besorgt an - so kam es ihm jedenfalls vor. "Das soll genug sein?! Wenn Ihr jeden Tag so wenig esst, kann es nicht mehr lange dauern, bis Ihr irgendwann an Unterernährung zusammenbrecht." Er merkte, wie er ein wenig errötete und so hob er nur wieder schief lächelnd seine Schultern. "Wirklich! Ich kann mich nicht erinnern, jemals in meinem Leben sehr üppig gegessen zu haben. Sorgt Euch nicht um mich. Ich falle schon nicht vom Fleisch." Aber sorgt sie sich etwa tatsächlich um mich? Lerris spürte ein triumphierendes Gefühl aufkommen, das er auch mit aller Mühe nicht unterdrücken konnte. Rasch aß er sein Honigbrot zu Ende und trank einen Schluck Bier hinterher. "Ob die Gerüchte nun stimmen, dass er der Bastard des Königsmörder ist, oder nicht, es tut nichts zur Sache. Fakt ist, dass er dem Irren König an Grausamkeit Konkurrenz macht und dass jeder, der bisher versucht hat, dem ein Ende zu setzen gescheitert ist. Da kommt es nicht auf die Geburt an", hörte er Caryn dann sprechen. "Nun ja, so lange ich nicht in Königsmund bin, kann mir ja wohl kaum etwas passieren, was auf seinem Mist gewachsen ist", meinte Lerris schulterzuckend, wobei ihm in diesem Moment kaum klar war, dass dies eine äußerst anfechtbare Aussage war.
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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    Di Jan 10, 2017 9:52 pm

"Wirklich! Ich kann mich nicht erinnern, jemals in meinem Leben sehr üppig gegessen zu haben. Sorgt Euch nicht um mich. Ich falle schon nicht vom Fleisch." Caryn quittierte diese Antwort nur mit einem Stirnrunzeln. "Vergesst es!", erwiderte sie mit jenem Tonfall, dem man besser nicht widersprach. "Und wenn ich Euch jeden Tag füttern muss, ich werde schon dafür sorgen, dass Ihr wieder ein wenig Fleisch auf die Rippen bekommt. Also -" Und dabei zeigte sie auf das Ei, das sie auf seinen Teller gelegt hatte. "Esst Ihr das hier jetzt." Vermutlich würde er dennoch widersprechen. Doch Caryn meinte es ernst. Aus irgendeinem Grund war er ihr verdammt nochmal ans Herz gewachsen - auch wenn sie sich kaum eine Woche kannten - und da kümmerte sie sich.
Ihre Augenbrauen wanderten nun ein zweites Mal in die Höhe. "Leider schimpft er sich selbst als König von ganz Westeros, sein Mist bleibt nicht nur in Königsmund. Oder was glaubt Ihr auf wessen Mist die Rote Hochzeit gewachsen ist?" Es war das erste Beispiel, das ihr einfiel, und vermutlich war es bei weitem auch das wirksamste. Schließlich war er selbst dort gewesen, er hatte das Gemetzel gesehen. "Der einzige Ort, an dem er uns nichts anhaben kann, ist Essos." Was im Grunde auch kein schlechtes Ziel war. Malden hatte ihr immer viel von diesem Kontinent erzählt, vor allem von Braavos, wo er die meiste Zeit verbracht hatte. Augenblicklich fuhr Caryns Hand an ihren Gürtel, wo das Messer steckte, dass er ihr von seiner letzten Reise mitgebracht hatte. Damals war sie 14 gewesen. Während ihre Finger über das verzierte Heft strichen, blickte sie wieder zu Lerris. "Kein schlechter Ort vielleicht."

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BeitragThema: Re: Gasthaus    Sa Jan 14, 2017 6:46 pm

Lerris beäugte für einen Moment das Ei, das Caryn ihm auf den Teller gelegt hatte, fast so als wollte es ihn aufessen, und blickte dann Caryn an. "Vergesst es! Und wenn ich Euch jeden Tag füttern muss, ich werde schon dafür sorgen, dass Ihr wieder ein wenig Fleisch auf die Rippen bekommt. Also esst Ihr das hier jetzt." Und mit diesen Worten zeigte sie auf eben jenes Ei auf seinem Teller. Etwas in ihrer Stimme brachte Lerris tatsächlich dazu, es in die Hand zu nehmen und damit anzufangen, es zu schälen. Seinen Blick wandte er dabei nicht von Caryn ab und sie sprach auch schon weiter. Als sie die Rote Hochzeit nannte, spürte Lerris, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich. "Der einzige Ort, an dem er uns nichts anhaben kann, ist Essos. Kein schlechter Ort vielleicht." Beinahe etwas ungläubig starrte er Caryn an. "Essos", wiederholte er dann gedankenverloren. Ja, was sprach denn dagegen? Dort würde sicherlich niemanden seine Geburt interessieren und was genau hielt Lerris denn schon hier in den Sieben Königslanden? Ihm wollte kein Grund einfallen. "Ihr...wollt Ihr nach Essos segeln?", fragte er dann mit vollkommener Ernsthaftigkeit, wobei er nicht ganz sicher war, ob es eine Frage oder ein Vorschlag sein sollte.
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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    Sa Jan 14, 2017 9:26 pm

Ihre strengen Worte hatten tatsächlich Erfolg, denn nach einem misstrauischen Blick in Richtung Ei begann Lerris tatsächlich, dieses zu pellen. Ein zufriedenes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, auch wenn Caryn im Grunde keine andere Reaktion erwartet hatte. Es gab Momente, da widersprach man ihr einfach nicht. Wie erwartet erzielte das Beispiel der Roten Hochzeit seine Wirkung, auch wenn es sie für einen Moment traf, wie bleich er wurde. Und wenn es doch die falsche Erwähnung war? Schließlich reagierte sie, die nicht einmal dabei gewesen war, voller Hass und Wut, wie musste es ihm dann erst gehen? Einen Moment erwog Caryn sogar, sich zu zu entschuldigen, doch wofür? Die Wahrheit ist dafür da, ausgesprochen zu werden, hatte der Waffenmeister aus Essos ihr einmal gesagt, einer der Leute, die ihr den exzentrischen Stil im Messerkampf beigebracht hatten. Einer der Leute, die unter den ersten waren, die ihr Vater sie hatte töten lassen. Die Wahrheit ist dafür da, ausgesprochen zu werden. Sie war ein Monster, das war die Wahrheit. Sie widerstand dem Drang, den Kopf in den Armen zu vergraben und alles auszublenden, bis die Gedanken von alleine verschwanden. Doch sie befand sich noch immer mitten in einem Gespräch. Etwas in Gedanken zuckte sie mit den Schultern. "Habt Ihr eine bessere Idee?" Dann zögerte sie kurz und straffte die Schultern, ehe sie sich verbesserte. "Du. Hast du eine bessere Idee?"

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BeitragThema: Re: Gasthaus    So Jan 15, 2017 5:31 pm

Das gepellte Ei glänzte und erneut musterte Lerris es misstrauisch. Eigentlich hatte er gekochte Eier niemals ausstehen können, aber noch immer wagte er es nicht, Caryn zu widersprechen und so vertilgte er das Ei mit zwei Bissen und spülte den unangenehmen Geschmack mit seinem Bier herunter, das Gesicht leicht verzogen. Die Farbe war wieder in sein Gesicht zurückgekehrt - die Rote Hochzeit hatte Lerris kurzerhand aus seinen Gedanken verdrängt. Es bringt doch nichts, sich den Kopf über Vergangenes zu zerbrechen. Rasch leerte Lerris noch seinen Krug und lehnte sich dann zurück, den Kopf in den Nacken gelegt, mit dem Blick in Richtung Zimmerdecke. "Habt Ihr eine bessere Idee?", hörte er Caryn sprechen, ehe sie sich selbst verbesserte. "Du. Hast du eine bessere Idee?" Ein schmales Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab und er senkte wieder so den Kopf, dass er Caryn anblicken konnte. Langsam schüttelte Lerris den Kopf, nur um dann mit den Schultern zu zucken. "Ich denke, das klingt gar nicht mal so schlecht. Ich hätte selber keine bessere Idee, nein..." Nachdenklich musterte er sie und räusperte sich dann schließlich leise. "Seid Ihr...Bist du fertig?", fragte er und deutete mit einem Kopfnicken auf ihr Mahl. Es fühlt sich komisch an, sie auf einmal so anzusprechen. Tatsächlich war es so, als hätte Caryn damit eine Mauer zwischen sich und Lerris zerschlagen. Ich bin ihr näher als je zuvor. Und es war ein wunderbares Gefühl.
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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    So Jan 15, 2017 7:03 pm

Caryn aß den Rest ihres Frühstücks auf, während sie zusah, wie Lerris das Ei vertilgte. Sonderlich gut schien es ihm nicht gerade zu schmecken, doch es kam kein Wort des Widerspruches. Dennoch verspürte sie kurz ein schuldiges Gefühl, ihn zu etwas gezwungen zu haben, was er gar nicht wollte. Ärgerlich verdrängte sie es. Ob es ihm nun schmeckte oder nicht, allein an seiner Statur konnte Caryn sagen, dass er es bitter nötig hatte. Die entsprechenden Muskeln hat er aber..., schoss es ihr durch den Kopf, als sie an den gestrigen Abend dachte. Verdammt. Konnte sie nicht einmal neutral bleiben im Umgang mit ihm?
Sie sah wie er sein Bier austrank und dann den Kopf zurücklegte. Irgendwie hatte die Geste etwas unglaublich Ungeduldiges, weshalb Caryn sich beeilte, ihren Teller zu leeren und auch den Krug mit Wasser auszutrinken. Als sie jedoch mit dem Duzen einen weiteren Vorstoß wagte, sah er sie an und ein Lächeln erschien auf seinen Lippen. Etwas erleichtert erwiderte Caryn es wie automatisch. Sie hatte sich schon des Öfteren dabei erwischt, ihn mit Du ansprechen zu wollen anstatt ihn weiterhin so förmlich zu behandeln. Und nun, da sie es endlich getan hatte, fühlte sie sich ihm einen Schritt näher. Doch so gut es sich auch anfühlte - wie nah wollte sie ihm überhaupt kommen? Ihr Körper hatte da eine klare Antwort, doch ihr Kopf spielte ihr Bilder von Robb, von Bastyan vor. Alle tot.
Aus ihren Gedanken gerissen, blinzelte Caryn ihn zuerst verständnislos an, als er wissen wollte, ob sie fertig war, und senkte dann den Blick auf ihren leeren Teller. "Ja, ich bin fertig", murmelte sie und schüttelte sachte den Kopf, um wieder Klarheit zu gewinnen. Mit verzogenem Gesicht - sie tendierte wirklich dazu ihre Rippe zu vergessen - erhob sie sich und legte einige Münzen auf den Tisch, um für das Frühstück zu bezahlen.

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BeitragThema: Re: Gasthaus    So Jan 15, 2017 9:04 pm

Zunächst sah Caryn ihn verständnislos an, dann jedoch meldete sie, dass sie fertig wäre. Lerris lächelte Caryn breit an und stand dann etwas linkisch auf, sodass er beinahe über die eigenen Füße gestolpert wäre. Du Tölpel! Schau doch gefälligst hin, wo du hingehst. Warum kannst du auch deinen Blick nicht von ihr abwenden? Sofort spürte Lerris seine Ohren heiß werden und dann wie das Blut auch sein Gesicht erreichte. Leicht beschämt blickte er auf seine Fußspitzen, bevor er wieder aufsah und rasch ein paar Münzen zum Bezahlen des Frühstücks auf dem Tisch liegen ließ, so wie es auch Caryn getan hatte. "Also, das steht doch mit dem Übungskampf, nicht?" Lerris versuchte gefasster zu klingen, was ihm überhaupt nicht leicht fiel und über die Frage, ob es ihm tatsächlich gelang, wollte er gar nicht nachdenken. Wie es für ihn üblich war in unsicheren Situationen tastete seine linke Hand nach dem Knauf seines Schwertes. Ich müsste es die letzten Tage durchgängig umklammert haben, wenn ich nach diesem Prinzip ginge... Erneut räusperte er sich leise. "Nun, wie wäre es mit jetzt gleich?" Mit einem Kopfnicken deutete Lerris zur Tür nach draußen. "Ich wäre bereit. Wie sieht es mit Euch aus?", fragte er, stutzte und verbesserte sich dann:"Mit dir, meinte ich. Wie sieht es mit dir aus?" Er runzelte die Stirn und schüttelte dann leicht den Kopf über sein eigenes Verhalten.
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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    So Jan 15, 2017 10:08 pm

Reflexartig fasste Caryn sich an ihre Seite, als der Schmerz beim Aufstehen sie wieder einmal an die letzten Tage erinnerte. Mit schmerverzerrtem Gesicht sah sie einen Moment lang auf die Tischplatte, ehe sie sich kurz auf die Lippe biss und wieder hochsah. Von Lerris' Stolpern bekam sie so recht wenig mit außer einem kurzen Geräusch. Sehr wohl sah sie aber, wie zuerst seine Ohren und dann seine Wangen erröteten. So beschämt wie er aussah könnte man beinahe meinen, er hätte sich gerade in die Hosen gemacht. "Also, das steht doch mit dem Übungskampf, nicht?", fragte er mit schwankender Stimme und ungeachtet ihrer pochenden Rippe lächelte Caryn. "Sicher."
"Nun, wie wäre es mit jetzt gleich?" Im Grunde sprach nichts dagegen. Bis auf die Tatsache, dass sie sich kaum bewegen konnte, ohne dass ihr die Tränen in die Augen traten. Doch daran ließ sich nun einmal nichts ändern und wieder in Form kommen war wieder in Form kommen. Vermutlich würde sie verlieren - was gehörig an ihrem Stolz fressen würde - aber immerhin würde Lerris es ihr nicht auf die Nase binden. Nicht wie Theon es getan hätte, hätte er je gewonnen. Bei dem Gedanken an diesen Verräter brodelte schon wieder die Wut in ihr hoch. Eine Wut, die sich am besten durch einen ordentlichen Kampf abreagieren ließ. Somit drehte Caryn sich Richtung Hof und ging mit langen Schritten voran. "Worauf warten wir noch?", rief sie Lerris über die Schulter zu.

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BeitragThema: Re: Gasthaus    So Jan 15, 2017 10:45 pm

Die Erleichterung darüber, dass Caryn gar nicht auf sein Stolpern oder auch sein Erröten einging - vermutlich hatte sie es gar nicht so bewusst wahrgenommen - war kaum auszusprechen. Stattdessen antwortete sie lächelnd auf seine Frage. "Sicher." Lächelnd. Sie lächelt mich an. Jetzt wurde es aber immer absurder. Ist etwa all deine Selbstbeherrschung flöten gegangen? Es schien beinahe so. Es kam so, dass Lerris nicht einmal auffiel, dass Caryn Schmerzen hatte, denn den Blick hatte er wieder beschämt abgewendet. Und so bemerkte er auch zuerst nicht, dass Caryn schon in großen Schritten in Richtung Hof bewegte. "Worauf warten wir noch?", rief sie und Lerris hob seinen Kopf wieder an und folgte ihr rasch nach draußen.
Es versprach ein schöner Tag zu werden. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und es war kaum eine Wolke in Sicht, die sich vor sie schieben könnte. Lerris ging langsam an Caryn vorbei und stellte sich ihr gegenüber hin. Als er sein Schwert zog, hörte er das ihm so vertraute metallische Geräusche und wendete dann kurz die Klinge unter seinem Blick. "Ich habe nur diese", sagte er nachdenklich. "Und ihr tragt keine Rüstung oder so etwas..." Besorgt sah er Caryn an. "Also...ich werde euch nur mit der flachen Seite berühren. Ist das in Ordnung?" Demonstrativ strich er über die nicht scharfe Seite der Klinge und blickte dann wieder Caryn an.
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BeitragThema: Re: Gasthaus    Mo Jan 16, 2017 9:38 pm

Obwohl sie sich noch lange nicht im Norden befanden, war der Herbst auch hier schon angekommen. Die Sonne spendete nicht annähernd genug Wärme, um die Kälte des Windes aufzuheben. Doch trotz allem war Caryn immer noch ein Kind des Nordens und hatte in ihrer Kindheit genug Nächte im Schnee verbracht, um gegen die Kälte gewappnet zu sein. So stellten sich zwar die Härchen auf ihren Armen als Schutz gegen die plötzliche Kühle auf, doch sobald der Kampf im vollen Gange war, würde sie ohnehin eher schwitzen als frieren.
Sie drehte der Tür - und damit Lerris - den Rücken zu, als Caryn in die Mitte des Hofes trat und ihren Umhang ablegte. Es schmerzte beinahe körperlich dieses Stück Sicherheit zur Seite zu legen, doch im Kampf würde er nur ihre Bewegungsfreiheit einschränken. Dann wählte sie zwei Messer, ihr langes braavosisches Prachtstück, das sie stets am Gürtel trug und das eher kleine aus ihrem rechten Stiefel. Der Rest wanderte mitsamt ihrer Scheiden neben den Umhang. Bevor sie sich umdrehte - und Lerris somit signalisierte, dass sie bereit war -, lockerte sie ihre Schultern und schwang die Messer probeweise einmal durch die Luft. Die Bewegungen lösten ein schmerzhaftes Echo in ihrer Seite aus, doch sobald das Adrenalin erstmal floss, würde sie es sicherlich nicht mehr spüren.
Als sie sich umdrehte, hatte Lerris sein Schwert bereits gezogen und sah sie besorgt an. Dieser Blick rührte Caryn auf gewisse Weise und als er schließlich vorschlug, nur die stumpfe Kante seines Schwertes zu benutzen, konnte sie gar nicht anders als zu lächeln. "Wenn du mich überhaupt triffst...", grinste sie. Dass sie sich dieser Aussage aber überhaupt nicht sicher war, behielt sie lieber für sich.

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BeitragThema: Re: Gasthaus    Di Jan 17, 2017 4:54 pm

Das Lächeln, das Caryn ihm schenkte, konnte Lerris nur verlegen erwidern, während er auch merkte, wie seine Ohren wieder heiß wurden. Jetzt nur keinen roten Schädel bekommen. Reiß dich zusammen! Sie hatte ihren Umhang abgelegt, das fiel ihm erst jetzt auf. Natürlich hat sie ihn abgelegt. Wie umständlich wäre es denn mit Umhang zu kämpfen? Du Narr! "Wenn du mich überhaupt triffst...", sagte Caryn unterdessen grinsend und Lerris versuchte, seine Mimik unter Kontrolle zu halten. Wenn du dich konzentrierst, geht das von ganz alleine. Nun, zumindest würde er keine Zeit haben, sich über solche Banalitäten Gedanken zu machen. Aber besser verbissen dreinschauen als andauernd so dämlich zu lächeln. Einen guten Kampf empfand Lerris schon lange als etwas Wunderbares. Es macht den Kopf rein. Konzentrierte man sich nämlich nicht auf den Kampf, sondern auf etwas Unwichtiges, büßte man das schnell einmal damit ein, dass einem plötzlich die Därme aus dem Körper quollen. Was hier aber hoffentlich niemandem passieren wird. Ein Wenig musste er über den Gedanken schmunzeln. "Ob ich überhaupt treffe? Na, sicher", erwiderte Lerris dann witzelnd und schwang sein Schwert elegant in der Hand herum. Langsam begann er, auf Caryn zu zugehen. Er hob seinen Schwertarm und nahm Schwung. Nicht zu heftig! Nicht zu hart! Lerris zögerte und blickte Caryn kurz an.
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BeitragThema: Re: Gasthaus    Di Jan 17, 2017 6:16 pm

Mit etwas rötlichen Ohren schwang Lerris sein Schwert durch die Luft und wie so oft vor einem Kampf spürte, wie alles in Caryn eiskalt wurde, gleichgültig. Das Monster war zurück und bereit zu töten. Auf seinen selbstsicheren Kommentar erwiderte sie nichts mehr, griff nur die Messer fester, während ihre Augen dunkler zu werden schienen und sie in Kampfhaltung ging. Sie erkannte sein kurzes Zögern, er hatte Angst sie zu verletzen. In diesem Zustand war diese Angst ihr fremd, jetzt zählte nur noch der Kampf, die Bewegung, die Waffen. Doch sie durfte ihn nicht verletzen, durfte ihn nicht töten, musst Vorsicht walten lassen. Dennoch - seine Angst verlieh ihr einen großen Vorteil, ein Vorteil, den sie mit ihrer Verletzung nie gehabt hätte.
Mit einem nahezu stoischen Gesichtsausdruck begann sie den Mann vor sich zu umkreisen, wie ein Raubtier seine Beute. Auch ihre Bewegungen schienen geradezu animalisch. Das war sie - die Caryn, die bereits im Alter von sechs Jahren zu töten gewusst hatte, die Caryn, die hart wie Stein war, die nur töten und kämpfen und überleben kannte. Sie griff nicht an, noch nicht, denn sie kannte seinen Stil nicht, hatte ihn nie kämpfen sehen. Er hingegen hatte das, wenn ihre Racheaktion an den Räubern auch wenig mit dem Zweikampf zu tun gehabt hatte, den sie nun führten. Weiter umkreiste sie ihn, immer bereit auszuweichen, nicht sein Schwert und nicht seine Augen fixierend sondern den Punkt zwischen seinen Schlüsselbeinen, um den ganzen Körper im Blick zu haben, darauf wartend, dass er den ersten Angriff führte.

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BeitragThema: Re: Gasthaus    Di Jan 17, 2017 6:43 pm

Er beobachtete Caryn, die nun wie ein Raubtier um ihn herumschlich. Dann sah er kurz auf das Schwert in seiner Hand. Nein, es würde kein Kampf wie jeder andere werden. So sehr er sich auch bemühen würde, in einem Übungskampf mit einem richtigen Schwert gegen eine Frau zu kämpfen...Lerris könnte es sich selbst wohl kaum verzeihen, wenn er Caryn auch nur einen Kratzer antun würde. Er würde nicht Alles geben in diesem Kampf. Und sie? Aus einem unerfindlichen Grund besorgte Lerris ihr leerer Ausdruck in den Augen. Als wäre alles, was einen Menschen ausmacht, wie ausgelöscht. Doch er sah das nicht zum ersten Mal bei. Ich habe sie bereits einmal kämpfen sehen. Für einen kurzen Moment schloss er seine Augen und versuchte sich zu erinnern - es war sicherlich eine törichte Aktion, die Augen zu schließen und als er sich dessen bewusst wurde, war Lerris unendlich froh, nicht in einem richtigen Kampf auf Leben und Tod zu stecken. Wie ein Tölpel wie ich nur die Rote Hochzeit überleben konnte. Es war ihm seit jeher ein Rätsel gewesen. Weiterhin umkreiste Caryn ihn langsam und er festigte seinen Griff um sein Schwertheft. Rasch blickte Lerris an Caryn vorbei. Hinter ihr bildeten die Mauern des Gasthauses eine Ecke. Meine Chance. Er ging langsam in ihre Richtung, um den Abstand zwischen sich und ihr zu verringern, er hob seine Schwerthand und holte aus - dieses Mal ohne zu zögern - und ließ die Klinge zielstrebig links neben Caryn schwingen.
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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    Di Jan 17, 2017 9:31 pm

Caryn hatte bereits gegen so einige klassisch ausgebildete Männer mit Schwertern gekämpft. Meistens waren es Duelle auf Leben und Tod gewesen, Kämpfe, in denen ein schnelles Ausschalten des Gegners oberste Priorität war. In einem Übungskampf hingegen ging es mehr um das Entwaffnen, etwas, was mit Waffen wie Messern schwieriger, aber lange nicht unmöglich war. Dennoch - in all den Jahren, die man sie in den Zweikampf geschickt hatte - ob tödlich oder als reine Übung spielte keine Rolle - hatte es nie jemand geschafft, Caryn wirklich und wahrhaftig zu überraschen. Doch Lerris tat es. Und er tat es durch das banalste, was man sich überhaupt vorstellen konnte: Er schloss die Augen. Er schloss die Augen, als sei dies hier ein Tanz und kein Duell. Er schloss die Augen, als könnte Caryn nicht jeden Moment angreifen. Und das brachte sie vollkommen außer Fassung, selbst wenn es nur ein paar Sekunden waren. Ein paar Sekunden, in denen sie den Kampf bereits für sich entschieden haben könnte. Ein paar Sekunden, in denen sie jedoch nur verwirrt stehen blieb und ihn ansah. Der Hieb, daraufhin folgte, kam allerdings keineswegs unerwartet. Gekonnt wich Caryn einen seitlichen Schritt nach hinten aus, wollte einen weiteren zur Seite machen - und prallte fast mit der Mauer zusammen. Mit einem leisen Fluch auf den Lippen fixierte sie Lerris, die Messer erhoben und erwartete den nächsten Zug. Er mochte sie in die Ecke gedrängt haben, mit keiner Möglichkeit, noch zur Seite auszuweichen, geschweige dann nach hinten. Doch er hatte eines vergessen: Es gab mehr Richtungen als nach hinten und zur Seite.

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BeitragThema: Re: Gasthaus    Di Jan 17, 2017 10:49 pm

Caryn war jetzt genau dort, wo Lerris sie haben wollte - in der Ecke, ohne jegliche Möglichkeit nach hinten oder zur Seite auszuweichen. Gleich habe ich sie. Ein schmales, linkes Lächeln schlich sich auf seine Lippen. Das war noch immer einfacher als gedacht. Gerade hob er wieder locker seinen Schwertarm, als etwas äußerst Unerwartetes geschah. Caryn, die Lerris als sicher chancenlos geglaubt hatte, startete einen Angriff aus der Offensive. Vollkommen überrascht trat er zunächst einen Ausfallschritt zurück und schwang dann sein Schwert eher sehr unkontrolliert horizontal. Schon befürchtete Lerris, er hätte sie verletzt, doch Caryn hatte sich stattdessen unter dem Schwerthieb hindurch geduckt und stand so direkt vor ihm. Ich habe keine Chance mehr, realisierte er da und spürte, wie ihm das Blut aus dem Gesicht wich - doch nur für einen kurzen Augenblick, denn im nächsten wurde ihm sogleich wieder bewusst, dass es bloß ein Übungskampf war. Schon hatte Caryn ihm das Schwert aus der Hand geschlagen und Lerris konnte hören, wie es klirrend auf den Boden fiel. Sofort hob er abwehrend seine Hände. "Da hab ich wohl verloren", kommentierte Lerris seine Niederlage. Wäre es ein echter Kampf gewesen, hätte deine Selbstüberschätzung dich umgebracht. Er schluckte schwer, versuchte allerdings, sich nichts anmerken zu lassen. Was im Moment ohnehin noch mehr seine Aufmerksamkeit beanspruchte, war die Tatsache, wie nah Caryn da vor ihm stand. Doch merkwürdigerweise war es ihm nicht unangenehm, nicht einmal im Geringsten. Ganz im Gegenteil. Er hieß diese Nähe durchaus willkommen. Du bist doch vollkommen durch den Wind. Nun komm wieder zur Vernunft!
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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    Di Jan 17, 2017 11:30 pm

Ein siegessicheres Lächeln schmückte sein Gesicht, als Lerris sie in die Enge gedrängt glaubte. Doch ein Tier mit dem Rücken zur sprichwörtlichen Wand griff an - etwas, womit er keineswegs gerechnet hatte. Sie machte einen Sprung nach vorne, die Messer wirbelten zwischen ihren Fingern. Wäre dies ein echter Kampf gewesen, hätte sie eines geworfen, so dass er mit einem zweiten blutroten Mund zu Boden gesackt wäre, doch es war nur ein Übungskampf, mehr nicht. Allein ihr unerwarteter Angriff brachte ihn so sehr aus der Fassung, dass sein Schwerthieb zu unkontrolliert war, als dass er ein ernsthaftes Hindernis gewesen wäre. Mit Leichtigkeit duckte Caryn sich darunter hindurch, drehte das Messer in ihrer Hand und ließ den Griff auf sein Handgelenk niedersausen, so dass ihm das Schwert aus der Hand fiel. Es landete mit einem lauten Klirren auf dem Boden. Das Messer drehte sich wieder in ihrer Hand und sie ließ beide Klingen in Richtung seines Oberkörpers fahren, um zu... Nein! Nur ein Übungskampf! Zitternd verharrten die Messer nur Zentimeter von seinem Körper entfernt.
"Da habe ich wohl verloren", stellte Lerris fest und Caryn nickte, schwer atmend. Jetzt, wo Adrenalin und Kampfeslust ihren Körper verlassen hatten, stellte sie erst fest, wie sehr dieser kurze Kampf sie überhaupt angestrengt hatte. Sie steckte die Messer zurück in ihren Gürtel und sah dann zu Lerris auf. "Siehst du, wie ich...", begann sie doch brach ab, als ihr plötzlich auffiel, wie nah sie eigentlich vor ihm stand. Unabsichtlich errötete sie leicht und doch tat sie keinen Schritt zurück, sondern sah ihn nur an.

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BeitragThema: Re: Gasthaus    Mi Jan 18, 2017 6:00 pm

Schwer atmend nickte Caryn. Die beiden Messer, die nur wenige Finger breit von seinem Oberkörper entfernt auf ihn gerichtet waren, bemerkte Lerris nicht einmal. Für ihn war der Kampf zu Ende. Ein Übungskampf. "Siehst du, wie ich...", setzte Caryn an, brach dann jedoch ihren Satz abrupt ab. Sie errötete ein wenig und blieb stehen, wo sie war. Ein leichtes, verlegenes Lächeln entblößte seine obere Zahnreihe und Lerris bemerkte, wie er ebenfalls rötliche Wangen bekam. Oh, was passiert hier bloß? Nervös und irritiert schaute er zu Boden, auf seine Stiefelspitzen. Ich sollte die Situation ablenken hiervon. Irgendwie... Wieder sah Lerris auf und blickte Caryn an. "Ähm, ja...ja! Ich habe es gesehen", murmelte er. "Ihr...äh, du kämpfst wirklich gut, äh. Wie...von wem lerntest du so zu kämpfen?" Eigentlich interessierte ihn so etwas im Moment ganz und gar nicht. Er hätte auch einfach einen Schritt zurück machen können, um den Abstand zwischen sich und Caryn zu vergrößern, aber irgendwie konnte er es nicht. Es erscheint jetzt nur eines richtig. Doch das konnte er nicht tun. Nein, es war ein Hirngespinst. Und doch...Lerris, hast du dich etwa verliebt? Doch als "verliebt" wollte er es nicht bezeichnen. Auch wenn ich nicht abstreiten kann, dass sie eine gewisse Anziehung auf mich ausübt. Alles in ihm schien nach ihr zu streben, schien Bedürfnisse zu haben, die gestillt werden wollten. Er wollte sie, auch wenn sein Verstand sich mit aller Kraft dagegen wehrte. Langsam beugte Lerris sich vor. Sie muss es doch auch spüren. Doch musste sie das tatsächlich?
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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    Mi Jan 18, 2017 10:26 pm

Weder Lerris noch Caryn bewegten sich nach hinten, voneinander weg. Nein, stattdessen blieben sie stehen, wie sie waren und es kam ihr beinahe so vor, als wäre sie noch nicht nah genug, als müsse sie die letzten Zentimeter zwischen ihren Körpern auch noch überbrücken. Das Gefühl war unglaublich intensiv - und kam ihr ganz und gar nicht falsch vor. Hatte sie es nicht mehr oder weniger kommen sehen? Etwas stammelnd sagte Lerris irgendetwas, doch Caryn hörte nicht hin. Stattdessen studierte sie sein Gesicht, seine Augen - in denen sich ihre eigenen Gefühle wiederzuspiegeln schienen -, die Sommersprossen, seine Lippen. Vor allem seine Lippen. Voll und weich - oder zumindest sahen sie so aus. Ob sie sich genauso anfühlten? Er musste denselben Gedanken gehabt haben, denn sie sah, wie er sich langsam nach vorne beugte und welche andere Absicht konnte er haben, als sie zu küssen? Mit einem schwachen Lächeln sah Caryn zu ihm auf, bereit um...
Es war nur ein Bild, das ihr Gedächtnis durchzuckte, der bärtige Anführer der Räuber, wie er über ihr, in ihr war, sein dreckiges Grinsen auf den Lippen. Doch aus Bildern wurden schnell Erinnerungen und im nächsten Moment war Caryn in Gedanken ganz woanders, nicht mehr im Hof des Gasthauses, sondern auf jener Lichtung, an jenen Baum gebunden, hilflos, verzweifelt und wütend, während Räuber um Räuber sich an ihr vergriff wie an einem Gegenstand, mit hämischen Kommentaren und dreckigen Grinsen. Und plötzlich war ihr die Nähe zu viel, zu vertraut mit jener in diesem Räuberlager und der drohende Kuss jagte ihr eine plötzliche Angst ein, die sie kaum zu benennen mochte. Mit rasendem Herz tat Caryn einen Schritt zurück und wandte den Kopf ab, ihr ganzer Körper bebte. s ist vorbei, es ist vorbei, sagte sie sich selbst immer wieder, bis sie schließlich mit trockener Kehle zu Lerris sah.

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BeitragThema: Re: Gasthaus    Mi Jan 18, 2017 11:33 pm

Lerris war sich so sicher gewesen, das Richtige getan zu haben und Caryn - wandte sich ab und machte einen Schritt zurück. Vollkommen irritiert und auch ein wenig beschämt entfernte sich auch Lerris ein kleines Stück von ihr. "Oh", machte er bloß und spürte, wie sein Gesicht rot anlief. Ich war mir doch so sicher gewesen. Alles hatte doch drauf hingewiesen. Was war passiert? Mit leicht geweiteten Augen sah Lerris Caryn an. Sie zittert. "Ich...ich wollte dir nicht...äh", stammelte er und bückte sich um sein Schwert vom Boden aufzuheben. Bei dem Versuch fiel es ihm zweimal wieder aus der Hand. Sein Blick fiel auf seine Hand. Ich zittere auch ein wenig. Rasch steckte er die Waffe wieder in die Schwertscheide und blickte dann Caryn an. "Bitte verzeih mir", sagte er, nun etwas ruhiger. "Ich hatte das nicht vor. Es...kam so über mich und...naja. Entschuldige bitte." Sie sieht so schockiert aus. So verstört. Irgendetwas sagte Lerris, dass nicht er der Schuldenträger daran war. Er schluckte. Dieser Blick. Am liebsten hätte er Caryn nun in den Arm genommen und... Ach, du bist doch ein hoffnungsloser Dummkopf. Also stand Lerris noch weiter so umher und blickte Caryn besorgt an. "Ich kann es dir natürlich nicht übel nehmen wenn du jetzt etwas...Falsches von mir denkst. Wenn es dir...wenn es dir lieber ist, lasse ich dich alleine." Vielleicht konnte er so diese unbeholfene Situation wieder halbwegs schlichten.
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Caryn Forestyr
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BeitragThema: Re: Gasthaus    Do Jan 19, 2017 2:58 pm

Seine Worte gingen vollkommen an Caryn vorbei, sie sah ihn weder noch hörte sie ihn und nicht nur Lerris, nein auch alles andere war verschwunden. Nur noch ihre Erinnerung existierte, nur noch das verzweifelte Gefühl der Hilflosigkeit, des Kontrollverlustes. Doch wie so oft mischten sich andere Bilder unter das Geschehen in ihren Gedanken. Ihr Vater, die Räuber, sie, die Räuber, die Räuber, die Nächte im Schnee, die kühle zerstörische Wut nach der Roten Hochzeit, die Räuber, sie, sie, SIE. Am liebsten hätte Caryn den Kopf in den Armen vergraben und sich still in eine Ecke verkrochen, bis es vorbei war, bis alles vorbei war, denn es waren nur Erinnerungen, verdammt, sie waren doch tot. Sie waren alle tot. Ihr Vater, die Räuber, das kleine Mädchen, Robb. Es war vorbei. Doch der Gedanke allein reichte nicht, um sie wieder ins Geschehen zurück zu reißen. Dennoch - immerhin kämpfte sie jetzt dagegen an. Aber die Bilder waren stärker - sie waren immer stärker, wenn Caryn sie einmal zuließ und hielten sie weiterhin in ihrem Spinnennetz aus Scham und Schuld, Hilflosigkeit und Wut, Angst und Hass gefangen. Jetzt kriegst du, was du verdienst, kleine Schlampe!, sagte der Räuber, nein, wisperte es ihr ins Ohr, während er sich an ihr vergriff, wieder und wieder.
SCHLUSS! Mit aller Macht verdrängte Caryn die Gedanken, denn es waren nur Erinnerungen, Vergangenheit. Die Räuber waren tot und ganz egal, was sie ihr angetan hatten, sie würden keine weitere Kontrolle über sie bekommen. Sie würden Caryn nicht davon abhalten, zu tun, was sie wollte. Und verdammt, was sie wollte, war dieser Kuss, war Lerris. Ihr Blick fokussierte sich und traf seinen. Er hatte Abstand genommen und musterte sie, besorgt, beschämt, entschuldigend. Als hätte er einen Fehler gemacht. Und was anderes sollte er sich auch denken? Ohne ein einziges Wort zu sagen, trat Caryn auf ihn zu und presste ihre Lippen auf seine, vielleicht ein wenig zu fordernd, vielleicht ein wenig zu forsch. Sie haben keine Kontrolle über mich. Und das hatten sie nicht. Das hatten sie ganz und gar nicht.

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