Game of Thrones

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 Das Räuberlager

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BeitragThema: Das Räuberlager   So Okt 23, 2016 9:33 pm

cf: Der Königsweg

Inzwischen war die erste Nacht vorüber und der Morgennebel kroch über den Boden auf Caryn zu, die gefesselt und geknebelt an einen Baum gelehnt da saß. Kaum hatten sie am vergangenen Morgen das Lager erreicht, hatten die Räuber sie komplett ausgezogen, ihr auch das letzte Messer abgenommen und sie die ersten unzähligen Male vergewaltigt. Sie hatte sich gewehrt. Natürlich hatte sie sich gewehrt. Doch ihr Körper, geschwächt von dem Schlafmittel, das dieser verräterische Dieb ihr vermutlich verabreicht hatte, und den Schlägen und Tritten, denen er wehrlos ausgesetzt gewesen war, hatte irgendwann nicht mehr mitgemacht. Doch die beinahe ersehnte Bewusstlosigkeit war auch nicht eingetreten.
Als sie erst einmal mit ihr fertig waren, hatten sie Caryn dieses lächerliche Kleid überstreift. Es war wohl einmal weiß gewesen, doch inzwischen war es voller Flecken. Außer dem Kleid trug sie nichts, selbst die Schuhe hatten sie ihr abgenommen. In der eisigen Kälte waren ihre Zehen längst taub geworden. Noch zwei Tage länger und sie hatte mit Erfrierungen zu rechnen. Doch in diesem Moment war sie beinahe froh über ihre tauben Füße. Zumindest etwas an ihrem Körper, das nicht schmerzte. Ihr Unterleib fühlte sich wund gerieben an, Arme und Rücken schmerzten von der brutalen Art und Weise wie sie zurückgebunden waren und ihr Gesicht war inzwischen wohl grün und blau. Doch am schlimmsten war ihre linke Seite. Offenbar hatte einer der Tritte eine Rippe angeknackst und seitdem jagten Wellen von Schmerz durch ihre Seite, wann immer sie auch nur die kleinste Bewegung machte.
Andere Frauen hätten an ihrer Stelle geweint oder um Gnade gefleht. Doch so weit war sie in ihrer Würde nicht gesunken. Lieber starb sie. Den Knebel hatten sie ihr aufgesetzt, weil sie dem Anführer in die Nase gebissen hatte und sogar ein Stück von dem Fleisch gelöst hatte. Seitdem hatte sie weder etwas zu essen noch etwas zu trinken bekommen. Durch den muffigen Stoff verspürte sie den Durst nur noch stärker. Doch wenn sie verdursten musste, um dem hier zu vergehen, sie würde es tun.
Statt also im Selbstmitleid zu versinken, schloss sie die Augen, vergaß den Schmerz und stellte sich vor, wie sie die Räuber tötete. Jeden einzelnen von ihnen, bis nur noch der Anführer wimmernd vor Angst am Boden lag. Vielleicht entledigte sie ihn seiner Weichteile und ließ ihn auf dem Boden verbluten. Oder sie zeigte Gnade und tötete ihn danach. Und dann der Dieb. Wenn sie ihn fand, würde er schreiend sterben. Finger, Kronjuwelen, Augen, Zähne - er würde alles nacheinander verlieren und ihm würde sie keine Gnade gewähren. Ganz sicher nicht.
Hör auf. Das Mädchen. Wenn du so weiter machst, bringst du uns beide um. Sie hatte sie fast schon vergessen.
Vielleicht hätte ich dich ihn besser töten lassen, knurrte sie.
Das Mädchen schwieg kurz. Vielleicht. Aber das bringt uns jetzt auch nicht weiter.
In Gedanken lachte die Andere kalt auf. Seit wann ist es uns?
Seit wir beide zusammen in dieser Misere stecken. Ein kurzes Zögern. Wir stehen das nur zusammen durch, das ist dir klar, oder?
Was willst du damit sagen?, fragte sie kühl. Ihrer Meinung nach würden sie das hier gar nicht durchstehen.
Die Stimme des Mädchens war klar und bestimmt, als sie erwiderte. Du willst dich wehren, das kann ich verstehen. Aber wenn wir uns nur wehren, dann haben wir keinerlei Chance. Das beste wäre es, sich so.. gefällig zu verhalten, dass wir den Knebel loswerden. Etwas zu trinken. Essen. Vielleicht sogar die Fesseln ein bisschen gelockert. Aber das heißt, du müsstest ein Stück weit aufgeben. Und das kannst du nicht. Sie zögerte. Aber ich.
Wovon redete sie verdammt nochmal? Du meinst, ich soll dich nach vorne lassen? Nie im Leben.
Nein. Wenn ich das verlangen würde, ginge es nur wieder darum, uns zu trennen. Das, was wir seit Jahren tun. Aber so überleben wir das ganze nicht. Du brauchst mein Wissen und meine Erfahrungen und andersherum ist das genauso. Wir müssen uns... vereinigen.
Caryn hob in Gedanken verwirrt eine Augenbraue. Vereinigen?
Das Mädchen schien mit ausgestreckten Armen auf sie zu. Auf einen Versuch kommt es an.
Und irgendwo hatte sie Recht. Zusammen waren sie stärker, viel stärker. Außerdem gehörten sie zusammen, das spürte Caryn jetzt. Sie wollte das hier. Und so nahm sie das Mädchen das erste Mal, seit sie sich erinnern konnte in die Arme und sie verschmolzen zu einem.
Es war wie ein vermisstes Puzzlestück, das plötzlich wieder aufgetaucht war und das man endlich an seinen Platz setzen konnte. Und irgendetwas in beiden, das immer leer erschienen war, war nun ausgefüllt, denn es war die jeweils andere.
Und als Caryn Forestyr die Augen wieder öffnete hatten sie weder die Farbe von hellem Silber noch die von dunklen Sturmwolken, sondern ein helles Grau, an manchen Stellen leicht grünlich. Die Augenfarbe, mit der sie zur Welt gekommen war. Und nach über 18 Jahren war sie wieder eins.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mi Okt 26, 2016 2:21 am

First Post

Es war ein kleiner Söldnerjob, der Lerris Schnee weiter in den Süden gezogen hatte. Von alleine wäre er wohl niemals auf die Idee gekommen den Norden zu verlassen und in Richtung Kronlande zu spazieren. Sie passten ihm auch eigentlich gar nicht. Kälte, Schnee und Eis schienen einfach zu der Einsamkeit zu gehören; es schien richtig. Zwar war nun schon eine Weile vergangen seit der "Roten Hochzeit", wie sie im Munde des gemeinen Volkes genannt wurde, doch noch immer hatte Lerris seinen Platz in dieser grausamen Welt gefunden. Ich hatte nie einen Platz in der Welt, als Bastard. Es war eine Tatsache, die ihn schon immer belastet hatte. Selbst der letzte arme Säufer aus der Gosse hat einen besseren Stand in der Gesellschaft als ein Bastard. Nur ungern doch allzu oft erinnerte er sich an früher, als er als junger Bursche von den anderen Kindern verdroschen wurde und verpönt und daran, wie er so früh in seinem Leben lernte zu hassen. Es waren Gedanken, von denen sich Lerris am liebsten abgewandt hätte, doch wenn man einsam durch einen Wald geht, beschäftigt man sich früher oder später doch mit sich selbst und welche Gedanken und Erinnerungen hatte er schon anzubieten? Nur mein jämmerliches Leben und Pessimismus. Sein Ziel war das nächstgelegene Dorf. Vielleicht konnte er sich dort wieder als Söldner etwas Geld verdienen. Geld, das er gut gebrauchen konnte, denn das Pferd unter ihm hatte wieder einmal etwas Hafer verdient. Es war jenes Tier, das ihm in gewisser Weise bei den Zwillingen sein Überleben gesichert hatte, denn zu Fuß hätte er wohl kaum schnell genug entkommen können von diesem Gemetzel. Das Pferd und meine Blase, dachte er schmunzelnd. Mit dem Dunkelbraunen ritt er nicht die Straßen entlang, sondern quer durch den Wald. Auf den Wegen und Straßen war man zu gefährdet von Raubüberfällen. Lerris war zwar ein geschickter Schwertkämpfer, doch gegen vier Gegner gleichzeitig war er hilflos. Ich bin immerhin nicht der Berg. Er sah zwar nicht aus wie ein Edelmann, aber auch nicht wie ein armer Bursche und alleine für das Pferd würde man ihn sicher angreifen, würde er von Räubern erblickt werden.
Es war lautes Gelächter, das auf einmal seine Aufmerksamkeit weckte. Männergelächter. Räuber? War Lerris da auf ein Lager gestoßen? Er trieb sein Pferd noch etwas weiter voran in die Richtung, aus der er die Geräusche hörte, stieg dann rasch ab und band das Tier an einem Baum an. Neugierig und doch sehr vorsichtig schlich er sich zu Fuß näher heran an die Quelle des Gelächters. Hinter einem Gebüsch ging er in die Hocke und versuchte zwischen den Blättern einen Blick zu erhaschen. Etwas konnte er erkennen: Ein Lagerfeuer, drei Räuber (vermutlich waren es noch mehr, aber Lerris konnte nicht mehr sehen) die herum saßen und aßen und tranken und sich wohl irgendwie prächtig amüsierten. Sie schienen abgelenkt und entfernt genug zu sein, um Lerris nicht zu bemerken. Näher an ihm als am Feuer konnte er sehen, dass an einem Baum jemand gefesselt war. Eine Frau? Geduckt schlich er ein wenig zu Seite, um mehr sehen zu können. Und tatsächlich - es war eine Frau, die dort gefesselt und geknebelt am Baum saß.
Er konnte es sich selber nicht erklären, doch irgendetwas in ihm bewegte ihn zu dem dringenden Wunsch, dieser Frau zu helfen. Ha, ein Held willst du wohl einmal in deinem Leben sein, närrischer Schnee. - Und wenn schon... Aber wie sollte man überhaupt an die Sache gehen? Einfach losgehen und sie von den Fesseln befreien? Wieso eigentlich nicht? Diese Narren sind viel zu sehr mit ihrer Sauferei beschäftigt, als dass sie mich bemerken. Wenn ich mich bloß richtig anstelle... Und so war es beschlossen. Leise schlich er näher an den Baum heran, gab sich ebenso Mühe, dass die Gefangene ihn nicht wahrnehmen konnte, zog sein Schwert vorsichtig und durchtrennte das Tau. Etwasum den Baum beugte er sich, den Zeigefinger auf seine Lippen gelegt um der Frau zu symbolisieren, den Mund zu halten. Bei den Göttern, was tue ich hier? Ich bringe mich noch um...
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mi Okt 26, 2016 5:26 pm

Zwei Tage. So viel Zeit war nach dem Überfall vergangen und Caryn saß noch immer an den Baum gefesselt. Inzwischen existierte ihr Widerstand gegen die Vergewaltigungen nur noch in ihren Gedanken und dennoch hatte man ihr den Knebel noch nicht abgenommen. Das hieß weder etwas zu trinken, noch etwas zu essen für sie, seit jenem verhängnisvollem Morgen. Nur einer der älteren Räuber hatte ihr für kurze Zeit den Stoff um ihren Mund entfernt und ihr drei Schlucke von abgestandenem Wasser gewährt. Vermutlich hatte er Schuldgefühle gehabt. Doch als ein anderer nach ihm rief, wie lange er denn noch zum Pissen bräuchte, hatte er den Schlauch abgesetzt, sie mit einem halb entschuldigenden Blick angesehen und ihr dann den Knebel wieder über den Mund gezogen. Auf einen weitern Übergriff hatte er verzichtet und war gegangen. Im siebten Himmel über die paar Tropfen Wasser hatte Caryn ihm nachgesehen. Sterben würde er trotzdem. Aber sie würde ihm einen schnellen Tod gewähren.
Jetzt, nur etwa zwei Stunden nach diesem Vorfall, schien das Wasser wie vergessen und der Durst rumorte in ihrem Körper. Trockene, schmerzende Kehle, ein schaler Geschmack im Mund, den der schmutzige Knebel nicht gerade besser machte. Wenn sie nicht bald mehr trank, würde sie sterben. Das war eine Tatsache. Der Durst war sogaer so schlimm, dass er den Hunger komplett verdrängte. Umso schmerzhafter aber war es, das prasselnde Feuer und den Geruch nach bratendem Fleisch der Räuber wahrzunehmen. Selbst das Bier konnte sie beinahe fließen hören.
In der Hoffnung, so ein wenig mehr Feuchtigkeit in ihren trockenen Hals zu bringen, schluckte Caryn den letzten Rest ihres Speichels herunter. Ein Fehler, wie sich heraus stellte. Denn so wurde der faulige Geschmack in ihrem Mund nur noch schlimmer und ihre Kehle kein bisschen feuchter. Sie schloss die schmerzenden Augen und verbat sich jeden Gedanken an Wasser oder sonstige Flüssigkeit. Das hätte es nur noch schlimmer gemacht.
Um sich abzulenken machte sie sich wieder daran, ihre Fesseln an dem rauen Baustamm aufzuscheuern. Jede Bewegung jagte eine Welle des Schmerzes durch ihre Schultern und ihre Handgelenke waren inzwischen offene Wunden, doch wenn ein bisschen Blut mehr ihren weg in die Freiheit bedeutete, nahm sie dieses Schicksal gerne auf sich. Das Gesicht vor Schmerz verzogen, als das Seil immer wieder über ihre wunden Handgelenke scheuerte, bewegte sie die Arme auf und ab. Es würde Ewigkeiten dauern, doch sie wollte hier raus. Sie musste.
Caryn hielt abrupt inne, als sie leise Schritte vernahm. Einer der Räuber, vermutete sie zuerst, doch die bemühten sich nicht, unauffällig zu sein. Außerdem kamen die Schritte aus der falschen Richtung. Konnte es sein, dass der Dieb zurück kam? Sie schnaubte unwillkürlich. Schön blöd wäre er, wenn er das versuchte. Dann aber besonn sie sich eines besseren und schloss die Augen, um ihren Gehörsinn zu schärfen. Ein Trick, den ihr Onkel ihr beigebracht hatte. Deine Augen lenken dich ab, hatte er immer gesagt. Also mach sie zu und konzentriere dich, auf das, was deine Ohren hören und nicht das, was deine Augen dir vorgaukeln. Ein Stich in ihrer Brust, als sie an Malden dachte. Er war tot. Sie waren alle tot. Aber sie würde es nicht sein. Und so lauschte sie. Die Schritte gehörten zu einer einzigen Person. Ein kaum wahrnehmbares Klirren. Ein Kettenhemd. Sie tippte auf einen Mann. Und er bewegte sich in ihre Richtung.
Sie öffnete die Augen und setzte sich gerade hin, als er nicht weiter als ein paar Schritte hinter ihr war. Caryn konnte ihn atmen hören. Ein leises Schapen. Er zog eine Waffe. Ein Schwert oder ein Messer. Nein, ein Schwert aufgrund der Dauer des Geräuschs. Ihre Finger zuckten leicht, als sie den Luftzug des Stahls verspürten und dann waren ihre Hände frei. Keinen Augenblick später war da ein Gesicht neben dem ihren. Rötliches längeres Haar, eine sommersprossige Nase, tiefliegende Augen. Ein Mann, wie sie bereits vermutet hatte. Er legte sich einen Finger auf die Lippen. Sei bloß leise, sollte das wohl bedeuten.
Caryn nickte als Zeichen, dass sie ihn verstanden hatte und begann dann nach und nach ihre Arme zu bewegen. 48 Stunden in eine einzige Position gezwungen, waren sie taub und ihre Muskeln verspannt. Ein unangenehmes Kribbeln breitete sich in ihnen aus, als sie sie schließlich nach vorne zog und mit linkischen Bewegungen ihr Gesicht von dem Knebel befreite. Dabei kam sie an eine geschwollene Stelle an ihrer Wange und zuckte zusammen.
Mehrere Minuten vergingen, die sie damit zubrachte, sich so vorsichtig und lautlos wie nur möglich auf die Beine zu ziehen. Ihr ganzer Körper schrie vor Schmerzen und es kostete sie einige Mühe, nicht aufzustöhnen. Doch letztendlich stand sie und sah sich ihrem Retter gegenüber.
Sie hatte diesen Mann noch nie gesehen und keine Ahnung, warum er ihr geholfen hatte. Doch in diesem Moment waren ihr die Gründe vollkommen gleichgültig. Sie war frei. Keine Vergewaltigungen mehr. Essen. Trinken. Schlafen in einer bequemen Position. Und heraus aus diesem schrecklichen Kleid. Caryn war so erleichtert, dass sie fast vor Freude weinte. Danke, formte sie mit den Lippen.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mi Okt 26, 2016 6:25 pm

Erst jetzt, wo die Frau vor ihm stand, konnte er sie wirklich ansehen. Sie war groß, auch wenn sie etwas kleiner als Lerris selbst schien, schlank und hatte langes, braunes Haar. In dem Kleid, welches sie trug, schien sie irgendwie...verloren. Als würde sie sich darin rein überhaupt nicht wohl fühlen, doch darüber zerbrach sich der junge Mann nun nicht den Kopf, obwohl es ihn ein Stück weit verwunderte. Die Frau sah durch und durch erschöpft aus und die Räuber hatten sie wohl übel zugerichtet, doch in ihren Augen konnte er noch immer etwas Trotziges erkennen. Kurz gefasst empfand Lerris sie auf diesen ersten Blick als schön. Es war nicht so, dass er hätte sagen können, dass er nie zuvor etwas Schöneres gesehen hätte (durchaus war er schon hübscheren Frauen begegnet), doch sie war keinesfalls hässlich und irgendwie machte sie ihn auf eine gewisse Art neugierig. Wieso war sie hier? Was war ihr zugestoßen? Bei den Göttern, sie muss doch am Verdursten sein. Die Augen waren schon wein wenig eingesunken, ihre Lippen sahen spröde und Trocken aus. Rasch und leise packte Lerris sich an seinen Gürtel, an dem er einen Wasserschlauch befestigt hatte, in dem sich noch etwas Flüssigkeit befand, und zog diesen dann unter seinem Umhang hervor. "Trinkt", flüsterte er und reichte der Frau den Wasserschlauch. Er warf einen unruhig Blick in die Richtung, aus der noch immer Gelächter der Räuber klang. Selbst von hieraus konnte Lerris nicht die Anzahl ermitteln. "Wie viele sind es?", fragte er die Fremde leise und wies mit einer knappen Kopfbewegung zum Feuer. Will ich wirklich alle alleine erledigen? Kann ich das überhaupt? Dass er ja nicht alleine war, beachtete Lerris in dem Moment überhaupt nicht. Sowohl die Tatsache, dass eine Frau vor ihm stand und kein Mann, als auch die schlechte Verfassung dieser Frau veranlassten ihn dazu, einen gemeinsamen Kampf gar nicht erst in Betracht zu ziehen.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mi Okt 26, 2016 11:05 pm

Caryn versuchte kontrolliert und gelassen nach dem Schlauch zu greifen, den er ihr anbot, doch der Durst übertrumpfte ihr Vorhaben. Mit gierigen Fingern schnappte sie sich das Trinkgefäß, öffnete es schnell und kippte dann das köstliche Wasser in einem Zug hinunter. Auch hier half der Versuch, langsam zu trinken, damit es länger anhielt, nicht. Caryn war einfach zu durstig. Und das Gefühl des kühlen Wassers, das ihre Kehle herunter rann, zu köstlich, als dass sie hätte stoppen können. Als der scheinbar letzte Schluck getan war, legte sie den Kopf in den Nacken, so dass auch die letzten Tropfen den Weg in ihren Magen antraten. Danach gab sie den Schlauch mit einem halb entschuldigenden Blick zurück. Hoffentlich war es nicht das letzte Wasser des Mannes gewesen.
Der schien unruhig, was die Räuber betraf. Auch Caryn warf nun einen Blick zu dem eigentlichen Lager, doch in ihren Augen stand keineswegs Unruhe oder gar Angst. Nur der kalte Zorn, den sie auch dem verräterischen Dieb gewidmet hatte. Und der diesen grobschlächtigen Räubern bald das Leben kosten würde. Auf ihren geschundenen Lippen bildete sich ein eisiges Lächeln, als sie mit heiserer Stimme - sie hatte seit zwei Tagen kein Wort gesprochen - erwiderte: Sechs. Sechs Räuber, die offenbar betrunken waren oder auf dem besten Weg es zu werden und vor allem keinerlei Angriff erwarteten. Leichte Beute. Nur mit welchen Waffen...?
Es blieb keine Zeit diese Fragen in Gedanken zu erörtern, den nun vernahm Caryn sich nähernde Schritte. An der schweren Gangart erkannte sie den Anführer der Räuber. Vermutlich kam er, um seiner kleinen Gefangenen einen Besuch abzustatten.
Wieder blitzte jene eiskalte Wut in ihren Augen auf und sie ließ sich wieder am Baum nieder, exakt so wie sie zuvor gesessen hatte, nur ohne den Knebel und die Haare etwas im Gesicht. Mit einer kurzen Geste bedeutete sie dem Mann, sich im Verborgenen zu halten. Hoffentlich hielt er sich daran. Denn das hier war ihre Rache und egal, wie dankbar sie ihm für ihre Rettung war, so wollte Caryn nicht, dass er sich einmischte.
Der Anführer war sichtlich betrunken. Man konnte es an den Schlangenlinien erkennen, die er tat, als er auf sie zu trat. Leichte Beute, wie gedacht. Sie blieb mit gesenktem Kopf sitzen, doch aus dem Augenwinkel verfolgte sie jede Bewegung des Räubers. Ihr Körper war bereits in Kampfmodus, das Adrenalin pumpte durch ihre Venen und jeder Schmerz oder Müdigkeit war vergessen. Sie wollte kämpfen. Sie wollte töten. Und sie würde reichlich Gelegenheit dazu bekommen.
Bei ihr angelangt, tat der bärtige Vagabund das, was er nun schon etliche Male getan hatte. Grob schob er Caryns Beine auseinander und fummelte bereits an seiner Hose herum. Nicht heute, Freundchen. Diese Lust hat dich wohl einmal zuviel überkommen. Mit einem schakalartigen Grinsen fuhr sie plötzlich hoch und versetzte dem Mann einen kräftigen Schlag gegen die Brust. Dessen Augen weiteten sich überrascht, als er erkannte, dass sie nicht länger gefesselt und geknebelt war, doch dank seiner Trunkenheit brauchte er eine Weile, um zu reagieren. Nicht schnell genug für Caryn. Mit der einen Hand presste sie ihm den eigenen Knebel auf dem Mund, so dass er nicht schreien konnte. Die andere wanderte zu seinem Gürtel und den Messern darin, eines davon ihr eigenes. Das war es auch, was sie aus der Scheide zog und mit dem sie dem Räuber ohne auch nur zu blinzeln in den Bauch stach. Bauchverletzungen haben die Angewohnheit, tödlich zu sein. Doch der Verletzte stirbt langsam, mitunter können mehrere Stunden bis zum Tod vergehen. Das hatte Caryn vorgehabt.
Ein Schreien bekam der Anführer gar nicht mehr hin, so dass es vollkommen reichte, ihm den Knebel in den Mund zu stecken, damit er den Rest der Bande nicht warnte. Bevor sie sich wieder zu ihrem Retter umdrehte, versetzte sie dem Kerl einen kräftigen Tritt zwischen die Beine und zischte: Du hast dir das falsche Mädchen ausgesucht. Dann drehte sie ihrem Vergewaltiger den Rücken zu, mit dem blutigen Messer in der ebenso mit Blut verschmierten Hand.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   So Nov 06, 2016 11:21 am

Die Tatsache, dass die junge Frau, deren Name Lerris noch gar nicht kannte, mit einem Mal das ganze Wasser leertrank, bestätigte dessen Vermutung. Wie lange sie wohl nichts getrunken hat? Er wollte es sich eigentlich überhaupt nicht ausmalen müssen. Dennoch nahm er mit einem etwas erstaunten Gesichtsausdruck seinen leeren Wasserschlauch wieder und befestigte diesen an seinem Gürtel. Noch immer besorgten Lerris die Räuber. Nur ungern wollte er sich nun einem Kampf aussetzen, aber wenn es nicht anders ging, musste er es wohl.
"Sechs", antwortete die Fremde auf seine Frage, wie viele Räuber es wären, und zum ersten Mal hörte Lerris ihre Stimme. Sie hörte sich rau und kratzig an, was auch wohl kein Wunder war, kombiniert mit dem Durst, den sie hatte. Doch Lerris hatte keine Zeit mehr, sich weiter mit seinen Gedanken auseinanderzusetzen, denn auch er hörte auf einmal schwere Schritte in ihre Richtung kommen. Die Frau hockte sich an den Baum, in einer ähnlichen Haltung wie er sie zuvor aufgefunden hatte, und bedeutete ihm, sich zurückzuhalten. Aus welchem Grund auch immer - Lerris konnte sich selber nicht verstehen - tat er auch genau das und verblieb hinter einem dickeren Baum, den Blick jedoch die ganze Zeit auf das Geschehen gerichtet. Sein Schwert hielt er fest in seinen Händen. Gerade als er sah, wie der Räuber, der mittlerweile bei der Frau angekommen war, schon beginnen wollte, sich an ihr zu vergreifen, passierte etwas, was Lerris beim besten Willen nicht erwartet hätte. Innerhalb von ein paar Wimpernschlägen hatte sie den Räuber beinahe lautlos überwältigt und keinen Moment später lag dieser mit einer Bauchverletzung und dem Knebel im Mund auf dem Boden und wällerte sich vor Schmerzen. Lerris trat erstaunt ein paar Schritte vor und schon hatte die Frau sich auch wieder zu ihm umgedreht. An ihrer Hand und dem Messer, das sie in dieser hielt, klebte Blut. Wortlos sah Lerris von dem sterbenden Räuber auf ihrer Hände und dann in ihr Gesicht. Der Ausdruck ihrer Augen erschrak ihn beinahe. Er hatte etwas Unberührtes und Kaltes, als wäre Töten für diese Frau so normal und alltäglich wie Schlafen und Essen. Doch im Gegensatz zu anderen Menschen, bei denen Lerris einen ähnliches Ausdruck schon gesehen hatte, war keine Spur von Freude zu entdecken. Es war etwas Anderes, das er nicht zu benennen vermochte.
Und dennoch hatte er nun das Gefühl, etwas sagen zu müssen, irgendetwas. "Ihr kämpft gut", sprach er also leise, auch wenn das vermutlich das Närrischste war, was er nun hätte sagen können. Er konnte seinen Blick nicht von der Frau abwenden, welcher jedoch keinesfalls Scheu zeigte, sondern eher eine gewisse Neugier. Da war ein Interesse, das er für sie empfand und irgendwie wollte er es nicht missen, etwas über sie zu erfahren.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   So Nov 06, 2016 1:52 pm

Der Mann hatte sich glücklicherweise im Hintergrund gehalten, wie Caryn es gewollt hatte. Allerdings schien er nicht wirklich mit ihrer kleinen Kampfeinlage gerechnet haben, wie die Überraschung in seinen Augen deutlich ausdrückte. Sie schenkte ihm jedoch nur einen kurzen Blick, ehe sie den Kopf leicht schief legte und die Augen schloss, um den Rest der Räuber besser hören zu können. Es musste noch fünf sein, alle betrunken, einer mit einem gebrochenem Arm. Doch bevor sie unvorbereitet in diesen Kampf hinein stolperte und womöglich ein zweites Mal überwältigt wurde, machte sie lieber so viel von der momentanen Lage aus. Von dem Angriff auf ihren Anführer schienen sie nichts mitbekommen zu haben, denn das Lachen und Blödeln ging weiter wie zuvor. Gut so, dann hatte sie die Überraschung weiterhin auf ihrer Seite.
"Ihr könnt gut kämpfen", merkte ihr Retter plötzlich an. Ein wenig ärgerlich unterbrochen worden zu sein, hob Caryn noch immer mit geschlossenen Augen den Finger an die Lippen. Sei still! war die unmissverständliche Nachricht. Dann schlug sie die Augen auf und bewegte sich lautlos über den Waldboden, durch die nackten Füße nur noch begünstigt.
So näherte sie sich dem eigentlichen Lager in völliger Stille, selbst ihr Atem war kaum wahrnehmbar. Der lautlose Gang eines Jägers, der seine unwissende Beute verfolgt und einkreist. Das hatte sie bereits gelernt, als sie ihrem Onkel noch kaum bis zur Hüfte reichte. Oft war sie ihrem Vater nicht dankbar, doch in diesem Moment war sie es voll und ganz. Ohne die Fertigkeiten, die Carl Forestyr seiner Tochter gelehrt hatte, wäre diese Rache nicht möglich.
Sie kam hinter einem Baum zu stehen, der sie vollständig verbarg, aber eine wunderbare Sicht auf das Lager ermöglichte. Zufällig war es auch jener Baum, an dem die Räuber ein Bierfass gelagert hatten. Sie lächelte kurz. Damit konnte man arbeiten. Ansonsten saßen vier der Räuber um ein kleines Lagerfeuer herum, über dem etwas Fleisch briet. Jetzt, da ihr Durst vorerst gestillt war, verursachte ihr der intensive Geruch nach etwas Essbarem Bauchschmerzen vor Hunger. Doch sie musste sich konzentrieren, also schob Caryn den Hunger beiseite.
Der fünfte Räuber - es war derjenige, dem sie das Handgelenk gebrochen hatte - kam auf das Bierfass zu, vermutlich um sich nachzuschenken. Als sie die langstielige Axt an seinem Gürtel erblickte, grinste Caryn kalt. Bingo. Sie wartete, bis er umständlich mit einer Hand das Fass aufgedreht hatte und seinen Krug darunter hielt. Das Messer im Anschlag machte Caryn sich durch ein Rascheln auf dem Boden bemerkbar. Der Räuber hob den Kopf, seine Kameraden hatten es wie beabsichtigt nicht gehört. Mit bereits wackligen Schritten kam er um den Baum herum und griff nach seiner Axt, als er das blutige Messer in ihrer Hand erblickte. Doch wieder einmal war sie schneller und ehe er es sich versah, war auch sein zweiter Arm gebrochen und das Messer steckte bis zum Anschlag in seinem Bauch. Schöne Grüße von deinem Anführer. Der erstickt gerade auch an seinem eigenen Blut, zischte sie und zog das Messer wieder heraus, während sie mit der anderen Hand seine Axt aus dem Gürtel zog. Doch dann geschah etwas, was nicht geplant gewesen war. Der Räuber schrie.
Das rief die anderen auf den Plan. Betrunken oder nicht, diese Räuber wussten zu kämpfen. Und da betrunken ihr Dauerzustand zu sein schien, waren sie darin selten agil. Verdammt aber auch. Caryn fluchte leise und stand dann auf, drehte die Hand in der Axt. Na, wer will der nächste sein?
Einer der vier kam auf sie zugelaufen, sein Schwert hoch erhoben. Er brüllte nicht, wie es vielleicht angemessen gewesen wäre. Caryn wich seinem Hieb mit Leichtigkeit aus und rammte ihm die Axt in den Unterleib. Mit einem Gurgeln ging der Mann zu Boden.
Sie hatte nicht lange Zeit, sich über seinen Tod zu freuen, denn im nächsten Augenblick zischte ein Messer dicht an ihrem Gesicht vorbei und schlug in den Baum hinter Caryn ein. Nur ein Schwung ihtres Linken Handgelenks - ihr Vater hatte sicher gestellt, dass sie mit beiden Händen gleich gut werfen konnte - und der Messerwerfer sackte zusammen, die Klinge in seinem Hals.
In diesem Moment war der nächste auch schon bei ihr, ebenfalls ein Schwert in der Hand. Dem ersten Hieb konnte sie noch ausweichen, den zweiten parieren. Doch das tagelange Hungern hatte ihre Arme schwach werden lassen und so zitterte sie stark und konnte kaum dagegen anhalten. Sie wich zurück, doch da war der Baum. Sie täuschte einen Angriff an und versuchte zur Seite auszuweichen, stolperte jedoch über die Leiche einem der Räuber. Hart kam Caryn auf den Boden auf und ihre angebrochene Rippe schrie vor Schmerz auf. Tränen stiegen ihr in die Augen, als sie sich zur Seite rollte und versuchte, wieder auf die Beine zu kommen. Doch da war der Räuber auch schon über ihr.
"Jetzt kriegst du, was du verdienst, Schlampe", zischte er, das Schwert erhoben. Es würde keine Möglichkeit geben dem Hieb auszuweichen, der ihr womöglich den Kopf klar abtrennen würde. Aber das ging wenigstens schnell. Und immerhin hatte sie drei der Räuber mitnehmen können. So schloss Caryn ergeben die Augen. Sie hatte verloren.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   So Nov 20, 2016 7:59 pm

Sie schloss die Augen und schien zu lauschen. Nachdem Lerris die Fremde angesprochen hatte, legte sie ihren Zeigefinger schnell auf ihre Lippen. Er verstand und schwieg von nun an. Plötzlich öffnete sie ihre Augen wieder und schlich in Richtung Lager. Etwas irritiert und mit Abstand folgte Lerris der Frau vorsichtig. Hinter einem Baum kam er wieder zum Stehen und beobachtete sie weiter. Es dauerte nicht lange und sie hatte einen weiteren Räuber erledigt, doch zu ihrem Unglück starb dieser nicht leise. Vier Räuber kamen angelaufen. Zwei von ihnen konnte sie überwältigen. Lerris beobachtete die Kaltblütigkeit der Frau mit einem Hauch von Entsetzung. Doch dann wusste er auf einmal, dass er handeln mussten, spätestens als sie auf dem Boden lag. "Jetzt kriegst du, was du verdienst, Schlampe", hörte er den Räuber zischen, der sich über sie gebeugt hatte. Mit zwei Sprüngen stand Lerris hinter ihm und hatte ihm schon von hinten sein Schwert in den Rücken gerammt. Bevor der Räuber in sich zusammensackte, zog Lerris rasch sein Schwert wieder aus dem Sterbenden. Die Frau hatte die Augen geschlossen. "Augen auf, sonst seht Ihr nichts", sagte er schief grinsend und griff energisch nach einer ihrer Hände, um sie wieder auf die Beine zu ziehen.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mo Nov 21, 2016 6:09 pm

Als sie wenig später das Geräusch eines Schwert hörte, das durch Fleisch und Blut schnitt, war Caryns erster Gedanke, so unsinnig es auch klingen mochte: Jetzt ist es vorbei. Vielleicht stimmte es ja. Vielleicht verwandelte man sich in einen Geist und schwebte über der Szene des eigenen Todes. Wenn das tatsächlich so war, wollte sie ihre Augen gar nicht öffnen. Doch das Blut, das wenig später auf ihr Gesicht spritzte, lehrte sie eines besseren. Ich bin nicht tot. Der Gedanke hatte etwas seltsam beklemmendes, obwohl es doch eigentlich anders sein sollte. Aber nur wenige Sekunden, nachdem sie dies realisiert hatte, öffnete Caryn blinzelnd die Augen. Der junge Mann, der sie von den Fesseln befreit hatte, stand über ihr, die blutige Klinge in der Hand. Der Räuber war zu seinen Füßen zusammen gesackt, ein überraschter Ausdruck auf seinem Gesicht. "Augen auf, sonst seht ihr nichts." Mit diesen Worten streckte ihr Retter - dazu war er nun schon zum zweiten Mal an diesem Tag geworden, wie ihr plötzlich bewusst wurde - ihr eine Hand entgegen. Vermutlich, um ihr aufzuhelfen.
Caryn blieb keine Zeit, sich in irgendeiner Form zu bedanken, denn kaum hatte sie ihre eigene Hand ausgestreckt, bemerkte sie aus dem Augenwinkel einer Bewegung hinter dem Mann. Zum Nachdenken blieb keine Zeit, nicht einmal warnen konnte sie ihn noch. Den anderen Arm ebenfalls ausgestreckt, griff sie nicht nach der Hand ihres rothaarigen Retters, sondern packte ihn regelrecht an der Hüfte und beförderte ihn so zu Boden. Sie selbst landete mit dem Kopf auf seinem Bauch und der Körperkontakt hatte etwas ungewöhnlich Vertrautes. Keine Millisekunde später bohrte sich ein Bolzen in den Baum hinter ihnen, genau auf der Höhe, wo sich eben noch der Kopf des Mannes befunden hatte.
Aber wo ein Armbrustbolzen ist, sind auch weitere. Der letzte Räuber und auch derjenige, der geschossen hatte, stand mehrere Meter entfernt und legte gerade den nächsten Bolzen ein. Wenn sie nicht handelte, würde er sie mit Sicherheit treffen. Ohne lange zu überlegen griff Caryn nach dem Messer, das an dem Gürtel des Mannes unter ihr befestigt war, und zog es aus seiner Scheide. Zum Zielen blieb keine Zeit und obwohl es schon Tage her war, da sie das letzte Mal ein Messer geworfen hatte, machte ihre jahrelange Erfahrung beides wett. Mit einem Arm neben dem Mann auf den Boden geschützt und ihren Oberkörper nur knapp über seinem Unterleib, warf sie das Messer mit der linken Hand. In der Zeit hatte der Räuber seine Armbrust gespannt und den Finger bereits am Abzug. Mit einem fiesen Grinsen zielte er - und stolperte einige Schritte zurück, als das Messer in seine Kehle eindrang und ihn aus einer zweiten Öffnung Blut spucken ließ. Der Bolzen verschwand im Unterholz. Schließlich sackte er tot zusammen. Das alles hatte keine zwei Sekunden gedauert.
Mit zittrigem Körper ließ Caryn sich wieder fallen, während das Adrenalin in ihrem Körper langsam abebbte. Auch ihr Herzschlag verlangsamte sich wieder und zu dem Zeitpunkt, da ihr Atem wieder normal ging, kehrte auch der Schmerz zurück. War ihre Rippe vorher nur angeknackst gewesen, so hatte ihr Fall sie ganz gebrochen und auch die Prellungen am ganzem Körper forderten nun ihren Tribut. Mühsam kam Caryn auf die Beine und stützte sich an einem Baum ab, während sie versuchte, den stechenden Schmerz in ihrer Seite zu ignorieren. Es gelang ihr nicht wirklich.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mo Nov 21, 2016 7:20 pm

Sie griff nach seiner Hand, doch gerade, als Lerris die Frau hochziehen wollte, packte sie ihn mit der anderen Hand an seiner Hüfte und er verlor, vollkommen überrascht von dieser Aktion, sein Gleichgewicht und fiel mit einem dumpfen Schlag auf den weichen Waldboden. Was zum...? Doch mehr Zeit zum Überlegen blieb Lerris nicht, denn im nächsten Moment sah er, wie sich ein Armbrustbolzen in den Baum hinter ihnen bohrte. Genau dort wäre mein Kopf gewesen... Schwer atmend blickte er wieder zu der Fremden, die, wie er erst jetzt bemerkte, mit ihrem Kopf auf seinem Bauch gelandet war. Ein merkwürdiges Gefühl breitete sich in ihm aus, angesichts dieser körperlichen Nähe, doch Lerris beschloss dieses rasch auszublenden. Es gabe gerade Wichtigeres. Mein Leben, beispielsweise. Schneller als Lerris hatte die Frau den Schützen geortet und noch schneller hatte sie sein Messer aus dem Gürtel gezogen. Keine zwei Atemzüge später steckte genau jenes Messer in der Kehle des letzten Räubers und er sackte leblos in sich zusammen. Die Frau raffte sich auf, wobei nicht zu übersehen war, dass sie Schmerzen hatte. Langsam stand auch Lerris auf und klopfte sich die Erde von seinen Kleidern. "Nun ja, ich würde dann sagen, Ihr steht nicht mehr in meiner Schuld", kommentierte er, während das Grinsen seinen Weg zurück in Lerris' Gesicht gefunden hatte.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mo Nov 21, 2016 9:15 pm

Die Zähne zusammen gebissen lehnte Caryn nun auch den Kopf an die raue Rinde des Baumes und versuchte den Schmerz weiterhin zu ignorieren. Sie wollte sich keine solche Schwäche eingestehen, nicht vor einem Fremden, der mit dem Schwert offenbar nicht ganz ungeschickt war. Weshalb sollte er dir etwas antun wollen. Immerhin hat er dir das Leben gerettet. Dennoch - sicher war sicher. Als sie ihre Mimik unter Kontrolle glaubte, stieß sie sich von dem Baum ab und beobachtete, wie der Mann langsam auf die Füße kam. "Nun ja, ich würde dann sagen, Ihr steht nicht mehr in meiner Schuld", bemerkte er mit einem Grinsen. Mehr als ein müdes Lächeln konnte Caryn sich zur Antwort nicht abringen. Das lag zum einen an dem Schmerz in ihrer Seite und zum anderen an dem tiefen Misstrauen, das sie diesem Fremden entgegen brachte. Er hatte ihr geholfen, ja. Aber warum?
Als Erwiderung zuckte sie nur mit den Schultern - was sich als Fehler erwies, wie sie später mit verzogenem Mund feststellte - und sagte knapp: Gern geschehen. Es klang harscher als geplant, was zum größten Teil aber auch an ihrer Erschöpfung lag.
Sie spürte, wie die Blutstropfen, die sie von dem Räuber abbekommen hatte, langsam auf ihrem Gesicht zu trocknen begannen. Ihre Hände waren ebenfalls blutverschmiert. Kurz flackerte ihr Blick zu der Kleidung des Fremden. Kurz über seinem Gürtel prangten zwei blutige Handabdrücke. Etwas schuldbewusst rieb Caryn sich die Finger an diesem lächerlichen Kleid ab, das sie trug. Diesem würde sie sich so oder so gleich entledigen, sobald sie etwas anderes fand. Doch ihre eisig kalten Füße hatten Vorrang. Nicht, dass sie sich noch die Zehen abfror, das wäre eher unangenehm. Ihre Stiefel mussten so ziemlich das einzige an Kleidung sein, dass nicht kaputt gegangen war, als die Räuber sie ihr vom Leibe gerissen und Caryn in dieses püppchenhafte Kleid gezwängt hatten. Auf der Lichtung befand sich einiges an Kisten mit Kleidung und Schmuck, Beute von den Raubzügen. Es schien, als wären die Räuber schon länger hier gewesen. Vor einer dieser Truhen entdeckte sie ihre Stiefel und schlüpfte sofort hinein. Die plötzliche Wärme an ihren Füßen tat unheimlich gut und kurz schloss sie genießerisch die Augen, ehe sie sich der Kleidung in den Kisten zuwandte. Das meiste waren reich verzierte Gewänder von Frauen. Caryn schien wohl lange nicht die einzige gewesen zu sein, die man dort an jenen Baum gefesselt hatte. Sie fragte sich nur, was mit den anderen Frauen geschehen war. Hatten die Räuber sie einfach umgebracht, als sie ihnen müde wurden? Der Gedanke ließ sie angewidert das Gesicht verziehen.
Neben einer der beiden Truhen fand sie zwei Beutel mit Gold. Caryn wog beide in den Händen und sah einmal kurz prüfend zu dem Fremden hinüber. Sie mochten quitt sein, was die Schuld des Leben Rettens anging, doch ihre Fesseln hatte er trotzdem gelöst. Und in einem dieser Beutel war mehr als genug Gold, um dorthin zu kommen, wo auch immer man hin wollte. Also drehte sie sich zu ihrem Retter um und warf ihm den Beutel mit Gold zu. Kostenloses Essen und Trinken scheint es auch zu geben, nickte sie in Richtung des Lagerfeuers, über dem noch immer das Fleisch briet.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Di Nov 29, 2016 11:04 pm

Die Frau hielt sich distanziert, mit einer unglaublichen Konsequenz. Sie misstraut mir. Und wie sie das tat, das wusste Lerris. "Gern geschehen", hatte sie gesagt, ohne jeglichen Humor in der Stimme. Lerris beobachtete die Unbekannte schweigend, während diese sich an die Truhen der mittlerweile leblosen Räuber zu schaffen machte. Sie zog sich Stiefel über ihre nackten Füße und dann drehte sie sich unvermittelt um und warf Lerris einen Beutel zu. Das klirrende und klimpernde Geräusch, als er ihn gefangen hatte, verriet eindeutig, dass es sich bei dem Inhalt um Münzen handeln musste. Die Frau selber hatte einen Beutel bei sich gelassen. Immerhin scheint sie gerecht zu teilen. Am Lagerfeuer briet noch Fleisch, worauf sie ihn hinwies. Lerris nickte kurz, wog den Beutel in seiner Hand ab und drehte sich dann stumm auf seinem Absatz um. Er hatte ja noch sein Pferd, dass er holen sollte, ehe es jemand anderes tat und außerdem wollte Lerris auch ein wenig die Reaktion der Frau auf dieses willkürliche Verhalten austesten. In zügigen Schritten ging er davon, in die Richtung wo er ganz zuvor hergekommen war, wo sein Dunkelbrauner noch ruhig angebunden an einem Baum stand. Rasch löste Lerris die Zügel vom Stamm und führte das Tier dann hinter sich her, zurück zum Lager, gespannt auf die Reaktion der Frau.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mi Nov 30, 2016 4:36 pm

Kaum sah Caryn, dass er den Beutel mit dem Gold gefangen hatte, wandte sie sich wieder den Truhen zu. Irgendwo musste es darin auch ordentliche Kleidung geben. Denn aus diesem Kleid wollte sie schnellst möglich heraus kommen. Es stank nach dem alten Schweiß zweier Tage und nach Erniedrigung. Ein Gefühl, das sie noch nie hatte ausstehen können. Mit ihrem Vater hatte sie einst ihre Demut erstochen und das würde auch weiterhin so bleiben.
Während sie sich durch die Kleidung wühlte, ein gemütlich aussehendes Unterhemd, eine Art Korsett und eine Hose ans Tageslicht beförderte, drehte Caryn dem Fremden den Rücken zu. Ihre Ohren arbeiteten mindestens genauso gut wie ihre Augen und auf dem trockenen Waldboden vernahm man jeden Schritt, selbst wenn man nicht das geschulte Gehör eines Jägers besaß. Sollte er - wie unsinnig der Gedanke auch sein mochte, nach allem, was er bereits getan hatte - versuchen wollen, sie anzugreifen, würde sie es vorzeitig hören. Und wie verteidigen? Sie war waffenlos und verletzt. Der Kampf gegen die Räuber hatte sie an ihre Grenzen getrieben, einen weiteren würde sie nicht überleben. So hart es auch klingen mochte - das war ein Fakt. Um wieder auf die Beine zu kommen, würde sie einige Tage Ruhe brauchen, bis die Rippe zumindest ansatzweise verheilt war und das wunde Gefühl in ihrem Unterleib nur noch eine Erinnerung war. Außerdem etwas zu essen und ein warmes Bett. Sobald sie hier fertig war, würde sie sich ein Gasthaus suchen, für mehrere Tage ein Zimmer mieten und ihrem Körper die Ruhe geben, nach der er verlangte. Dazu sollte das Geld locker reichen. Und danach? Darüber würde sie nachdenken, wenn sie in Sicherheit war, entschied Caryn.
Als die Schritte des Fremden sich plötzlich entfernten, hielt sie überrascht inne. Eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass er sich noch am Essen bediente. Aber warum auch nicht gehen? Das Mädchen war gerettet und er hatte sich sogar einiges an Gold verdient. Zeit, weiterzuziehen. Es war nur nachvollziehbar. Und doch verspürte Caryn einen Anflug von... Ja, was? Enttäuschung? Das war kindisch. Sie kannte ihn schließlich nicht, nicht einmal seinen Namen. Und doch hatte er ihr das Leben gerettet... Wie auch immer, dachte sie, während sie das letzte benötigte Kleidungsstück - die Hose - aus der Truhe zog, es liegt nicht in meiner Hand. Zeit, aus diesem Kleid herauszukommen.
Mit diesem Gedanken stand sie auf und zog sich das Kleid über den Kopf. Allein, den Arm zu heben, trieb ihr vor Schmerz beinahe die Tränen in die Augen, doch das Ausziehen kostete sie fast einen kleinen Aufschrei. Heulsuse, schalt sie sich selbst. In ihrer Kindheit hatte sie schlimmere Verletzungen gehabt und war nicht geschont worden. Sie würde das hier schon überleben. Mit zusammengebissenen Zähnen zog sie Hose und Hemd an, bevor sie das Mieder überzog und es so eng wie nur möglich schnürte. Ihre Rippe würde Halt brauchen, um wieder ordentlich zusammenzuwachsen. Dennoch trieb der Schmerz ihr die Tränen in die Augen und als sie schließlich fertig mit den Schnüren war, ging ihr Atem flach und ihr war sogar ein wenig schwindelig. Caryn hatte ganz vergessen, wie sehr sie gebrochene Rippen hasste.
Über die Folter des Ankleidens hatte sie die zurückkehrenden Schritte des Fremdens gar nicht gehört. Umso überraschter war sie, als sie sich umdrehte und ihn zwischen den Bäumen stehen sah, ein dunkelbraunes Pferd am Zügel. Was zur Hölle tat er noch hier? Völlig perplex sah Caryn ihn an und ehe sie sich beherrschen konnte, entfuhr ihr wenig geistreich ein überraschtes: Ihr seid noch da?!
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mi Nov 30, 2016 11:04 pm

Als Lerris das Lager wieder erreichte, trug die Frau nicht mehr das Kleid von zuvor, sondern eine Hose mit Hemd. Irgendwie gefiel ihm das besser an ihr, es passte einfach viel eher. Die Überraschung stand der Frau wie ins Gesicht geschrieben. Sie dachte, ich würde einfach verschwinden, stellte Lerris fest und musste etwas schmunzeln. "Ihr seid noch da?", hörte er sie fragen und es klang nicht wie ein Satz, den sie lange im Kopf formuliert haben würde, eher etwas unüberlegt. Er ging einige Schritte vorwärts und band das Pferd, dessen Zügel er in der Hand hielt, an einen Baum, recht nah am Lagerfeuer, aber auch nicht zu nah, sodass das Tier nicht verängstigt wurde. "Sieht so aus, findet Ihr nicht?", fragte er dann unbekümmert und sattelte den Dunkelbraunen dann rasch ab. Das Sattelzeug legte er neben dieses auf den Boden und klopfte das Pferd kurz auf die Kruppe. "Ich habe noch gar nichts gegessen. Bei all den Göttern, habe ich einen Hunger!" Ein Grinsen legte sich erneut auf die Lippen des jungen Mannes, während er sich umdrehte und zum Feuer ging. Er zückte ein Messer aus seinem Gürtel und schnitt sich etwas von dem gebratenen Fleisch ab, das an einem Spieß über dem Feuer briet. Mit dem Fleischstück hockte er sich auf einen Baumstumpf und nahm einen Happen. "Habt Ihr einen Namen?", fragte Lerris nachdem er den ersten Bissen heruntergeschluckt hatte.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Do Dez 01, 2016 3:51 pm

Kaum waren die Worte heraus, fing Caryn sich wieder. Dann war er eben geblieben, ja und? Kein Weltwunder, offensichtlich hatte er nur sein Pferd geholt und vermutlich auf etwas zu essen aus. Wahrscheinlich hatte es gar nichts mit ihr zu tun. Warum sollte es auch? Warum kam sie überhaupt auf den Gedanken, es könnte etwas mit ihr zu tun haben? Das war kindisch. Und dumm, schließlich misstraute sie ihm immer noch. Tatsächlich? Nein, dieser Gedanke war nun wirklich nicht hilfreich.
Einen Moment beobachtete sie den Fremden, wie er sein Pferd näher führte, es unweit des Lagerfeuers anband und schließlich begann, es abzusatteln. Dabei passierte er einige Lichtflecken, die es durch das dichte Blätterdach gewagt hatten. Das Sonnenlicht fing sich in seinem Haar und das Rot stach deutlich glänzend hervor. Als ihr klar wurde, wie sehr sie eigentlich starrte, riss Caryn sich zusammen und wandte sich kopfschüttelnd ab. Haar im Sonnenlicht. Warum zur Hölle fielen ihr solche Dinge bitte auf?
Ein kalter Windzug wirbelte die Blätter am Boden auf und brachte Caryn zum Frösteln. Sie hatte zhwei Tage in der Kälte gesessen, in einem Kleid, das gemacht war für die Sommer im Süden, also sollte man meinen, sie hatte sich an die niedrigen Temperaturen längst gewöhnt, doch dem war nicht so. Sie widerstand dem Drang, die Arme um den Körper zu schlingen - ihre Rippe hätte nur wieder lautstark protestiert -, doch sie machte sich erneut auf Kleidersuche in den Truhen, ehe sie noch begann, lautstark mit den Zähnen zu klappern. Es dauerte nicht lange, bis sie fündig wurde und einen langen schwarzen Kapuzenumhang herauszog, der innen mit Fell gefüttert war. Er erinnerte Caryn an die Umhänge der Nachtwache, die Benjen Stark stets getragen hatte, wenn er seiner Familie in Winterfell einen Besuch abgestattet hatte. Bei diesen Besuchen hatte sie sich immer außen vor gefühlt, auch wenn der Bruder der Nachtwache sein Bestes gegeben hatte, sie mit einzubeziehen. Doch sie war nun einmal kein Kind der Starks, war es nie gewesen. Der Gedanke hinterließ einen schalen Geschmack in ihrem Mund, wie immer wenn sie an ihre alte "Familie" dachte.
Während sie sich zwang, an etwas anderes zu denken - wobei ihr sofort wieder der Fremde und seine Haare in den Sinn kamen, was zwar wesentlich kindischer, aber wenigstens nicht so schmerzlich war - schlang sie den Umhang um ihre Schulter und befestigte die schlichte Silbernadel, die als Fibel diente. Schließlich wandte sie sich wieder dem Mann zu, der bereits kauend am Lagerfeuer saß, ein Stück Fleisch in der Hand. Der Geruch war köstlich und ihr Bauch schmerzte vor Hunger. Drei Tage ohne Essen war eine lange Zeit - und doch vertraut, wenn das letzte Mal auch in ihrer Kindheit gewesen war. Ihr Vater hatte sie oft hungern lassen, wenn sie nicht getan hatte, was er von ihr verlangte.
Den warmen Umhang fest um den Körper geschlungen, trat sie auf das Lagerfeuer zu, hielt bei dem letzten toten Räuber inne und zog ihm das Messer aus der Kehle. Seine Augen blickten starr ins Nichts. Jedem anderen hätte sie sie geschlossen, doch nicht diesen Männern. Caryn wischte das Blut, das bereits dicker wurde, an dem vor Dreck starrenden Mantel des Räubers ab und zur Sicherheit noch einmal an ihrem eigenen neuen Umhang. Sie sah auf, als der Fremde sie nach ihrem Namen fragte. Caryn, erwiderte sie ohne nachzudenken und hätte sich fast selbst geohrfeigt. So viel zu Misstrauen. Immerhin ihren Nachnamen konnte sie sich verkneifen.
Das saubere Messer in der Hand und sich über sich selbst ärgernd, ließ sie sich auf einem abgeschlagenen Baumstamm nieder und schnitt sich ein Stück von dem Fleisch ab. Sie musste sich beherrschen, nicht das ganze Stück auf einmal herunter zu schlingen, so ausgehungert wie sie war. Reiß dich zusammen, es ist genug da! Um langsame Bissen bemüht, sah sie den Fremden an. Was ist mit Euch?
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Sa Dez 03, 2016 10:15 pm

Hatte die Frau ihn angestarrt oder bildete er sich bloß Sachen ein? Lerris konnte es nicht sagen und so verdrängte er diesen Gedanken. Wieso sollte sie starren? Wahrscheinlich hatte dieser Blick keinerlei Bedeutung. Vermutlich. Doch während er auf dem Baumstumpf saß und sein Fleischstück kaute, erwischte er sich selbst dabei, wie er die Frau mehrfach musterte. Verdammt, Lerris, was wird das wenn es fertig ist? Rasch wandte er seinen Blick ab und blickte in den Himmel. Die Fremde hatte nun einen Namen. Sie stellte sich als Caryn vor. Ob das ihr wahrer Name ist? Tatsächlich musste das nicht der Fall sein. Auch wenn ihre Antwort auf seine Frage für eine Lüge fast schon etwas zu schnell gekommen war. Wie auch immer... Sie gab die Frage zurück an ihn. Wie auch immer, ich werde nicht lügen was mein Name angeht. Wozu auch? Immerhin war sein Name niemals vielen Menschen bekannt gewesen. Was genau sollte man da schon verstecken? Es wäre doch witzlos. "Lerris", erwiderte er knapp, schenkte dieser Caryn jedoch ein kurzes, freundliches und keinesfalls unehrliches Lächeln. "Was führte Euch zu diesen Gestalten?", fragte er dann und wies mit dem Kopf auf die getöteten Räuber hin."Und wie lange-" Er brach seinen Satz abrupt ab. Ob es weise war, so viele Fragen zu stellen? Würde es sie misstrauisch machen? Immerhin hatten sie doch nichts gemein und vermutlich ging es ihn auch gar nichts an. Er würde nach dem Essen am besten Weiterziehen...wohin auch immer. Diese Frau schien keine Genossin zu sein, die meinte beschützt werden zu müssen. Und dennoch ist sie verwundet... "Verzeiht, das geht mich sicherlich nichts an.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   So Dez 04, 2016 11:43 am

Immer wieder spürte sie den Blick des Fremden, der sich nun mit Lerris vorstellte, auf sich ruhen. Nun, was hieß spüren? Sie sah vielmehr, dass er sie beobachtete, schließlich blickte sie selbst immer wieder zu ihm. Um ihn misstrauisch zu beäugen natürlich. Oder so redete sie es sich zumindest ein. In Wirklichkeit fiel es ihr seltsam schwer, ihr Misstrauen diesem Lerris gegenüber aufrecht zu erhalten. Caryn hatte nicht den Hauch einer Ahnung, woran das lag. Und das war mehr als nur beängstigend.
Als er ihr knapp seinen Namen nannte, sie dabei aber freundlich anlächelte, erwiderte sie das Lächeln automatisch. Es war kein breites Grinsen, sondern nur die Andeutung eines Lächelns. Zu mehr war sie mit ihrem geschwollenen Gesicht kaum in Stande. Doch auch das war schon merkwürdig genannt. Die Erwiderung dieses Lächelns konnte sie wohl kaum als Höflichkeit abtun, denn bei solchen Vorstellungen lächelte Caryn aus Prinzip nie. Was zur Hölle war also los mit ihr?
Ihr Lächeln starb abrupt, als er sie nach dem Grund für ihre Anwesenheit hier fragte, denn sofort wanderten ihre Gedanken zu diesem verräterischen Dieb und Hass und Wut stiegen wieder in ihrer Kehle auf. Ihr Hunger war zu groß, um sich nun den Appetit verderben zu lassen, doch als sie knapp erwiderte: Sagen wir, ich wurde gewissermaßen verkauft. war ihre Stimme eisig kalt. Zu gut erinnerte sie sich an das Säckchen mit Gold, das der Dieb als Belohnung entgegen genommen hatte. Wenn sie ihm je wieder begegnete, war er sowas von tot.
Lerris weitere Frage zielte wohl darauf ab, wie lange sie schon an diesen Baum gefesselt gewesen war, doch bevor er zu Ende sprechen konnte, brach er mitten im Satz ab. Vermutlich hat er das Gefühl, zu viel gefragt zu haben. Diesen Gedanken bestätigte er kurz darauf: "Verzeiht, das geht mich sicherlich nichts an." Nein, eigentlich tat es das nicht. Aber aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen wollte sie sich dennoch mit ihm darüber unterhalten. Nein, nicht einmal darüber. Eigentlich wollte sie sich überhaupt mit ihm unterhalten. Das Thema war egal.
Also rang sie sich wieder ein Lächeln ab und bemühte sich um einen versöhnlichen Tonfall, als sie erwiderte: "Sicher geht es Euch etwas an. Schließlich wart Ihr der heldenhafte Ritter, der mich befreit und gerettet hat." Sie hoffte, dass der scherzhafte Ton die Stimmung ein wenig lockern würde, ehe sie einen weiteren Bissen von dem Fleisch nahm - das genauso köstlich schmeckte, wie es roch, auch wenn Caryn in ihrem ausgehungerten Zustand selbst verschimmeltes Brot als köstlich empfunden hätte - und mit düsterer Miene hinzufügte: "Es waren zwei Tage."
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mo Dez 05, 2016 6:19 pm

Wie hatte er so töricht sein und solch eine unsensible Frage stellen können? Als Caryn ihm diese beantwortete, klang ihre Stimme verbittert und eisig. Doch zur Überraschung des jungen Mannes ging sie auch auf die unvollendete Frage seinerseits ein. "Sicher geht es Euch etwas an", hörte er die Frau in einem scherzhaften Ton sprechen. "Schließlich wart Ihr der heldenhafte Ritter, der mich befreit und gerettet hat." Lerris konnte nicht anders als zu grinsen. Er deutete eine Verbeugung an. "Heldenhaft stimmt wohl", erwiderte er. "Allerdings muss ich Euch mit dem Ritter-Sein enttäuschen. Ich bin kein Ser, auch wenn ich wohl ziemlich dem Abbild des tapferen Ritters in Geschichten für kleine Mädchen entspreche, allerdings...ist das ein anderes Thema, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass Ihr nur auf eine geeignete Gelegenheit wartet, in der Ihr mir Eure große Dankbarkeit zeigen könnt." Das Grinsen auf Lerris´ Lippen verriet, dass er nicht von seinem Gesagten ernst meinte und aus irgendeinem Grund errötete er nach seiner kleinen Rede leicht und blickte verlegen zu Boden. Als Caryn noch "Es waren zwei Tage" hinzufügte, erstarb sein Lächeln, doch der Blick blieb noch immer am Boden kleben. Zwei Tage konnten lange sein, das wusste der Bastard und für eine Frau sicher manchmal auch länger. Was musste hungern schon dagegen sein, dass man zu etwas gezwungen wurde, das... Nein, unterbrach Lerris seine Gedanken abrupt. Darüber wollte er sich gar nicht den Kopf zerbrechen. Aber was sie wohl durchmachen musste? Vorsichtig blickte er die Frau wieder an und nahm langsam einen weiteren Bissen von seinem Fleischstück.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mo Dez 05, 2016 8:07 pm

Lerris ging sofort auf ihren scherzhaften Ton an und verbeugte sich leicht vor Caryn. Grinsend aß sie den Rest des Fleisches auf. Der tagelange Hunger hatte ihren Magen verkleinert, so dass sie bei bestem Willen nicht mehr essen konnte, wie lecker es auch riechen mochte. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen lauschte sie seinen Worten. "Heldenhaft stimmt wohl. Allerdings muss ich Euch mit dem Ritter-Sein enttäuschen. Ich bin kein Ser, auch wenn ich wohl ziemlich dem Abbild des tapferen Ritters in Geschichten für kleine Mädchen entspreche, allerdings...ist das ein anderes Thema, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass Ihr nur auf eine geeignete Gelegenheit wartet, in der Ihr mir Eure große Dankbarkeit zeigen könnt." Scherzhaft hob sie eine Augenbraue. "Als kleines Mädchen bezeichnet man..." Die Worte blieben ihr im Hals stecken, als ihr die Bedeutung seiner Worte aufging. Ihm ihre Dankbarkeit zeigen?! Sie hätte es wissen müssen. Das Grinsen auf ihrem Gesicht war wie weggewischt, als sie abrupt aufstand. Ich denke, ich gehe lieber!, sagte sie ihm eisigsten Ton, den sie zustande brachte, stieg erneut über den toten Schützen hinweg und nahm ihm die Armbrust aus den steifen Fingern. Bögen waren ihr wesentlich lieber, doch mit einem Bolzen war sie beinahe genauso geschickt. Eilig begann Caryn, alle Waffen einzustecken, die sie finden konnte, insbesondere ihre Messer, während sie versuchte, die Enttäuschung herunterzuschlucken. Warum war sie überhaupt enttäuscht? Was hatte sie erwartet? Mr. Perfect? Es war ein verdammter Mann, die dachten doch an nichts anderes. Hatten die Tage bei diesen Räubern das nicht bewiesen? Aber kann man denn nicht zumindest ein wenig Zurückhaltung erwarten? Schließlich war doch offensichtlich, was die Räuber ihr angetan hatten. Doch das klärte noch lange nicht die Frage, wo diese ganze Enttäuschung herkam. Auch wenn sie sich nicht sicher war, ob sie die Antwort wirklich hören wollte.
Grob riss sie dem Anführer ihre Messer aus dem Gürtel und verstaute sie wieder an ihren angestammten Plätzen. Die Waffen wieder in den Händen hörte das seltsame Gefühl der Schutzlosigkeit auf. Endlich.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mo Dez 05, 2016 9:42 pm

Für einen Moment konnte Lerris die Reaktion der Frau ihm gegenüber nicht verstehen. Überrascht wie er war, fiel ihm das Fleischstück aus der Hand auf den Waldboden. "Ich denke, ich gehe lieber", sagte sie eisig und irritiert runzelte er die Stirn. Während Caryn einige Waffen zusammensammelte, blickte Lerris auf den Boden und dachte stumm nach. Was habe ich denn getan? Was habe ich gesagt? Da ging es ihm auf und er hob seinen Blick. Rasch sprang er auf. "Ich wollte nicht...", begann er zu stammeln. "Ich meinte nicht...Nein, nein. Was sollte er nur sagen? Verdammt Lerris, was hast du getan? Und warum war es ihm so wichtig, dass diese Frau, die er gerade erst getroffen hatte, ihn nicht verließ? Nervös kratzte er sich hinter seinem Ohr. "Bitte Caryn", sagte er leise. "Bitte glaubt mir. Ich hatte nicht daran gedacht. Es ist...ich meinte es nicht so. Wirklich nicht. Irgendwie fühlte er sich gerade wieder so hilflos wie früher, als er noch ein Junge war und von den älteren Kindern aus dem Dorf verhauen wurde. So lachhaft es auch klingen musste. Wie sollte er Caryn davon überzeugen, dass er nicht darauf aus war? Du kannst aber nicht abstreiten, dass du in keinem Moment daran gedacht hast, oder? Er fühlte sich schlecht.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mo Dez 05, 2016 10:24 pm

"Ich wollte nicht... Ich meinte nicht...Nein, nein", kam es gestammelt vom Lagerfeuer her. Es klang überrascht mit einer Spur Entsetzen... Und irgendwie echt. Caryn verharrte mitten in der Bewegung, über den toten Anführer der Räuber gebeugt, eines ihrer Messer in der Hand. Was, wenn er es wirklich nicht so gemeint und sie ihn nur falsch verstanden hatte? Aus irgendeinem Grund wünschte sie sich, dass es so war. Dass dieser Mann ehrenhaft war, an mehr dachte. Aber wie wahrscheinlich war das schon? Vermutlich versucht er nur, sich herauszureden. Um mich später herumzukriegen, dachte sie verächtlich, doch ihr Körper befand sich noch immer der Starre.
Es war das leise "Bitte, Caryn", das sie veranlasste, sich zu ihm umzudrehen. Die Worte klangen hilflos, verzweifelt und dabei so authentisch, dass es ihr mehr als nur schwer fiel, noch an seinen Worten zu zweifeln. "Bitte glaubt mir. Ich hatte nicht daran gedacht. Es ist...ich meinte es nicht so. Wirklich nicht." Er war aufgestanden und kratzte sich am Hinterkopf. Trotz seiner Statuur, die eindeutig die eines Mannes war, wirkte er wie ein kleiner Junge. Stumm musterte Caryn ihn unjd kaute dabei auf ihrer Lippe herum. Eine kindliche Angewohnheit, die sie sich über die Jahre nie hatte abgewöhnen können. Er meinte es ernst. Er meinte es ganz offensichtlich ernst. Doch die Formulierung war eindeutig gewesen, oder etwa nicht? Hilflos sah sie zu Boden und erhob sich dann langsam. Wie auch immer, erwiderte sie mit ruhiger, wenn auch rauer Stimme. Ich sollte trotzdem gehen. Doch sie blieb stehen und sah ihn an. Dabei wusste sie selbst nicht, was sie eigentlich erwartete.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Mo Dez 05, 2016 11:06 pm

Sie glaubte ihm, er war sich beinahe sicher. Aber was bringt es mir, wenn sie es tut? "Wie auch immer", sagte sie. "Ich sollte trotzdem gehen." Ratlos starrte Lerris an der jungen Frau vorbei, dann nickte er langsam. Sie wird gehen und ich werde sie nich davon abhalten. Dazu habe ich nicht einmal ein Recht. Wie hatte er an ein glückliches Schicksal glauben können? Die Götter verspotten mich, wie sie es eh und je taten. Da stand er, die Arme hängend, seine Haltung keineswegs respekteinflößend oder irgendetwas in diese Richtung, bis er sich etwas aufrichtete. Mit seiner Hand ertastete er den Beutel voll Goldstücke, den er zuvor von Caryn erhalten hatte. Schnell und umständlich löste er den Beutel von seinem Gürtel und wog ihn in seiner Hand. Dann trat er ein paar Schritte vor, ließ noch genug Abstand zu Caryn und legte das Säckchen auf den Waldboden. "Das Geld", sagte er leise und ohne Entschlossenheit in der Stimme. "Behaltet es, bitte. Es steht Euch mehr zu als mir." Ich weiß mich schon zu versorgen, auch ohne dieses Gold. Lerris trat einen Scheitt zurück und drehte sich dann um. Wenn sie ging, was sollte er dann noch hier. Vielleicht war es auch der Ort, der Unglück verhieß. Mit ein paar zügigen Schritten war er bei seinem Pferd angelangt und begann, es wieder zu satteln.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Di Dez 06, 2016 6:24 pm

Bestimmt eine volle Minute standen sie sich nur gegenüber, sie zweifelnd und aufrecht, den Blick starr auf ihn gerichtet, in Erwartung seiner nächsten Handlung, er mit hängenden Schultern, sein Blick in die Ferne gerichtet. Er schien so hilflos, wie ein verlorener Welpe, dass Caryn den Drang hatte, ihn in den Arm zu nehmen und zu sagen, dass alles gut werden würde. Doch was ist alles? Natürlich tat sie es nicht. Stattdessen setzte sie zum Sprechen an, wollte etwas sagen, irgendetwas, auch wenn ihr nicht einfiel, was genau. Doch bevor Caryn auch nur den Mund öffnen konnte, richtete er sich auf und fasste sich an den Gürtel.
Verwundert - und zugegeben auch mit einer gehörigen Menge Misstrauen - beobachtete sie, wie Lerris den Beutel mit dem Gold löste und ihn auf den Boden legte, ehe er einige Schritte zurückwich. "Das Geld", sagte er unnötigerweise. Caryn hatte den Beutel längst erkannt. "Behaltet es bitte. Es steht Euch mehr zu als mir." Seine Stimme klang immer noch ebenso verzweifelt wie zuvor. Bevor sie etwas erwidern konnte, drehte Lerris sich um und begann sein Pferd zu satteln.
Er geht. Das war Caryns erster Gedanke und der, der direkt darauf folgte. Nein. Es war sinnlos so zu denken, die trotzige Haltung eines anhänglichen Kindes, doch sie konnte sich nicht dagegen wehren. Mit wenigen Schritten war sie bei dem Säckchen mit Gold und wog es nachdenklich in der Hand. Bevor sie sich auch sicher war, es wirklich tun zu wollen, trat sie schnellen Schrittes neben ihn und sagte mit ruhiger, klarer Stimme: "Wartet." Danach folgte eine kurze Pause, in der sie nicht so recht wusste, was sie sagen sollte. Schließlich atmete sie tief ein und setzte zu einer längeren Ansprache an. "Ob Ihr jetzt ein Ritter seid oder nicht, Ihr habt mich befreit. Irgendwie wäre ich wohl auch alleine herausgekommen, aber... Die Sache ist die, ich schulde Euch etwas. Das ist nichts, was ich sonderlich gerne tue, also begleiche ich solche Schulden in der Regel sofort. Nur kann ich Euch schlecht überallhin folgen, in der Erwartung, dass Ihr eines Tages in eine ähnliche Situation geratet, aus der ich Euch befreien kann. Von daher" - sie schwenkte den Beutel leicht, so dass die Münzen darin klirrten - "erwarte ich von Euch, dass Ihr wenigstens das Gold nehmt. Es ist der Situation nicht wirklich angemessen, aber momentan ist es alles, was ich habe." Kurz musste sie an ihre Vermutung zuvor denken, doch kaum tauchte der Gedanke auf, verdrängte sie ihn. Das kommt nicht infrage. "Ihr könnt Euch ein Zimmer mieten, essen und trinken, Euer Pferd versorgen, wer weiß vielleicht sogar eine Hure kaufen." Mit einem leichten Schmunzeln fügte sie hinzu: "Vielleicht ein Bad nehmen... Ihr stinkt." In Wahrheit war ihr eigener Körpergeruch wohl wesentlich schlimmer, doch Caryn glaubte, dass er den kleinen Scherz sicher verstehen würde. Aus irgendeinem Grund schlug ihr Herz etwas schneller, als sie ihm den Beutel auf der ausgestreckten Hand hinhielt. "Wie auch immer. Hier."
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Di Dez 06, 2016 9:11 pm

Lerris konnte hören wie Caryn hinter ihm den kleinen Beutel aufhob. Die Münzen darin klimperten. Doch er drehte sich nicht um. Stattdessen ließ er sich nicht beirren und zog den Sattelgurt an. Bis sie plötzlich neben ihm stand. Wieso lässt sie mich nun nicht einfach gehen? Ich dachte das wäre ihr Wunsch... Lerris hielt seinen Blick starr auf dem Sattel seines Pferdes gerichtet, während Caryn zu einer längeren Ansprache ausholte. "Die Sache ist die, ich schulde Euch etwas", hörte er die Frau sprechen. Also geht es ihr bloß darum, nicht in der Schuld von irgendjemandem zu stehen, realisierte Lerris mit einer Spur von Bitterkeit. Deshalb trägt sie mir den Sack hinterher. Dennoch hörte er ihr weiterhin zu, sagte zunächst einmal nichts, bis sie zu Ende gesprochen hatte und ihm wie erwartet den Beutel hinhielt. Für einen Moment wandte Lerris seinen Blick vom Sattel ab und sah von Caryns ausgestreckter Hand in ihr Gesicht und wieder zurück auf ihre Hand. "Ihr schuldet mir nichts", widersprach er ihr und tatsächlich war seine Stimme auch etwas von Bitterkeit und einer Spur von kindischem Trotz getränkt. "Wir waren quitt. Ich half Euch, Ihr halft mir." Seine Stimme war nun fester, klang nicht mehr halb so verzweifelt, auch wenn sich an dem Sturm, der in ihm zu toben schien, nichts geändert hatte. Sein Blick schwenkte wieder zu seinem Tier und er begann die Satteltaschen aufzuschnallen. Sie hat noch gescherzt. Ich solle ein Bad nehmen. Wie sollte er das nur verstehen? Irritiert wie in dieser Situation war Lerris schon lange nicht mehr gewesen.
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BeitragThema: Re: Das Räuberlager   Di Dez 06, 2016 10:44 pm

"Ihr schuldet mir nichts. Wir waren quitt. Ich half Euch, Ihr halft mir." Oh ja, vielleicht hatte sie ihm das Leben gerettet und vielleicht hatte er ihr das Leben gerettet. Doch darum ging es nicht. Es ging nicht einmal wirklich um Schulden, doch wie konnte Lerris das schon wissen? Hinter dieser ganzen Ansprache steckte doch nur der Hintergedanke, dass er im Begriff war zu gehen. Und dass Caryn wollte, dass er blieb. Aus welchen Gründen auch immer.
Allerdings würde sie sich hüten, ihm das zu sagen. Stattdessen verfolgte sie den Pfad weiter, den sie soeben eingeschlagen hatte. Sie war sich nicht sicher, was genau sie sagen sollte, doch wie eben schon, sprach sie einfach das aus, was ihr gerade in den Sinn kam. "Ihr habt Recht", erwiderte sie - anfangs zögernd, doch dann wurde ihre Stimme fester - "Ihr habt mir das Leben gerettet und ich habe Euch das Leben gerettet. Insofern sind wir quitt. Aber davon rede ich nicht." Kurz zögerte Caryn. Jetzt weiterzusprechen würde bedeuten, ihre Schwäche hier darzulegen, etwas, was sie eigentlich nie tat. Doch einen Rückzieher konnte sie auch nicht mehr machen. "Die letzten zwei Tage habe ich gefesselt und geknebelt an einem Baum gesessen, wurde gefühlte tausend Mal vergewaltigt und alles was ich tun könnte, war diese Männer zu hassen und auf irgendein Ende zu hoffen. Ich bin davon ausgegangen, dass ich sterben würde, entweder zu erfrieren oder getötet zu werden, wenn sie genug von mir hatten. Aber egal was passiert wäre, es hätte mindestens Wochen gedauert. Wenn Ihr nicht vorbeigekommen wärt und mich befreit hättet. Deshalb stehe ich in Eurer Schuld." Ihre Worte waren klar und hart und während sie sprach, wurde ihr plötzlich klar, dass es die reine Wahrheit war. Sie hatte sich vorgemacht, es auch alleine schaffen zu können, doch das wäre nie geschehen. Und während sie ihn diese Worte erst einmal verdauen ließ, traf sie eine Entscheidung.
"Ihr habt jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder Ihr nehmt das Geld an und ich verspreche Euch, dass Ihr mich nie wieder seht, denn offensichtlich könnt Ihr es ja nicht erwarten von hier wegzukommen. Oder Ihr lehnt das Gold weiterhin ab und ich werde Euch folgen, wohin auch immer Ihr geht, bis Ihr in eine Situation geratet, in der ich mich revanchieren kann. Und ich muss Euch warnen. Wennn ich will, kann ich sehr anstrengend werden. Eure Entscheidung." So kindisch es auch klingen mochte, irgendwo hoffte Caryn, dass er sich für Nummer 2 entschied.
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